Kinder aus dem Schatten holen
Wenn der Vater oder die Mutter ins Gefängnis muss, kann ihr Kind nichts dafür. Unter den Folgen leidet es trotzdem: »Wenn ein Elternteil inhaftiert wird, ist das stigmatisierend«, sagt Hartmut Gähl vom LVR-Landesjugendamt Rheinland. »Andere Eltern wollen oft nicht mehr, dass ihre Kinder noch Umgang mit dem betroffenen Kind haben.« Meist sei die Haft auch mit finanziellen Einbußen verbunden, weil »der Haupt- oder Alleinverdiener der Familie wegfällt«, so Gähl. Dann drohten weitere soziale Folgen, etwa, weil eine Familie umziehen müsse oder sich den Beitrag für den Sportverein nicht mehr leisten könne.
Kinder von inhaftierten Eltern sind eine eigene vulnerable Gruppe mit sozialen BedarfenHartmut Gähl, LVR-Landesjugendamt
Die in Köln betroffenen Kinder besser zu unterstützen, ist das Ziel des neu gegründeten Netzwerks »Kinder von Inhaftierten Köln«. Initiiert hat es die beim LVR-Landesjugendamt Rheinland angesiedelte Fachstelle Netzwerk von Inhaftierten NRW, Mitglieder sind etwa die Sozialdienste katholischer Frauen und Männer (SKF, SKM) sowie die JVA Köln. »Uns geht es darum, Jugendhilfe mit den JVAs zusammenzubringen, Inhaftierte als Hilfsbedürftige zu sehen und ihre Kinder aus dem Schatten herauszuholen«, so Hartmut Gähl vom LVR, der für die Landesfachstelle arbeitet. Bislang habe man die betroffenen Kinder in der Jugendhilfe unter Trennungs- und Scheidungskindern gefasst. »Sie sind aber eine eigene vulnerable Gruppe mit sozialen Bedarfen.« Und
diese Gruppe ist gar nicht klein: Schätzungen zufolge sind allein in NRW 40.000 Kinder betroffen.
Die Mitglieder des Netzwerks möchten nun ein gesellschaftliches Umdenken erreichen, etwa bei Besuchen im Gefängnis. »Es ist kein Privileg des inhaftierten Elternteils, Besuch vom Kind bekommen zu dürfen. Vielmehr ist es ein Recht des Kindes auf Kontakt zu seinen Eltern«, so Gähl. Ab dem Jahr 2027 soll denn auch das Justizministerium überprüfen, inwieweit die JVAs die Kinderrechte einhalten.