Die Gitarre als Kompass: Monika Roscher. © Emanuel Klempa

Hot Chocolate

Das Winterjazz-Festival feiert Jubiläum. Mit dabei: Die extra­ordinäre Gitarristin Monika Roscher

Es ist wohl einer der best eingespielten Konzertabende der Kölner Musik­szene: Das Winterjazz-­Festival am ersten bzw. zweiten Januar-Wochen­ende im Stadtgarten. Die Leute sind noch voll im Neujahrs­schwung, der Eintritt ist kosten­los und das Programm, seit Jahr und Tag von Angelika Niescier und Ulla Oster kuratiert, ist hand­verlesen. So viel guter Jazz an einem Abend — das übertrifft selbst die Cologne Jazzweek. Seit einigen Jahren kommt noch das »NICA special« hinzu mit den (Kölner) Musikern dieses Exzellenz­förder­programms.

Das NICA special ist reservierungs­pflichtig. Der eigent­liche Winter­jazz-Abend könnte es aber auch sein, denn die Einlass begehrenden Zuschauer stapeln sich nicht selten bis zur Venloer runter. Auf jeden Fall zu empfehlen ist frühes Erscheinen!

Dieses Jahr ist 15-jähriges Jubiläum, und dafür haben sich Niescier und Oster etwas besonderes einfallen lassen. Neben den vielen Kölner Bands (u.a. mit Philip Zoubek, Tamara Luka­sheva und Janning Trumann), die ohne­hin einge­laden werden, haben sie an Musike­rinnen und Musiker Wild­cards aus­gegeben, mit denen sie aus dem riesigen Pool der Kölner Szene exklusive Besetzungen zusammen­stellen werden, um neue Projekte und Ideen zu realisieren. Das sind: Benoît Delbecq, Alexandra Grimal, Alexander Morsey, Cansu Tanrikulu — und die fabel­hafte Monika Roscher, Gitarristin, Sängerin und Bigband-Leaderin aus München.

Roscher dirigiert ihre Bands wie eine Ent­deckerin, die es nicht nötig, Karten zu lesen. Der Kompass ihrer Kreativität reicht ihr. Ihre Gitarre fungiert dabei als Seismo­graf, der Beben im Unter­grund misst und sie als flirrende Linien in die Musik schreibt. Ihre Stücke beginnen oft harmlos, fast höflich, doch irgendwo im Mittelteil bricht ein Riss auf, durch den ein Schwall aus Jazz, Prog und arti­fiziellem Pop drängt — eine kontrollierte Entgleisung.

Ihr orchestraler Zugriff wirkt zugleich trotzig und zärtlich: ein Beharren darauf, dass kollektives Spielen utopisch bleiben darf. Wenn die Band sich in ein Crescendo schraubt, scheint Roscher weniger zu dirigieren als zu beschwören. Und in den lichten Momenten, wenn nur noch ihr Gitarrenton übrig bleibt, wird klar: Hier arbeitet jemand an einer Musik, die das Große sucht, ohne das Fragile zu verraten. Roscher in Köln mit Kölner Musiker:in­nen ist ein Ereignis.

Winterjazz

Sa 10.1.
Stadtgarten — All Area, ab 19 Uhr

NICA live special

Do 8. / Fr 9.1.
­Stadtgarten, Jaki, Christuskirche, Neu St. Alban, jeweils ab 20 Uhr
(NICA-Abende sind reservierungspflichtig, kostenlose Tickets gab es nur bis 5.1.)