Hot Chocolate
Es ist wohl einer der best eingespielten Konzertabende der Kölner Musikszene: Das Winterjazz-Festival am ersten bzw. zweiten Januar-Wochenende im Stadtgarten. Die Leute sind noch voll im Neujahrsschwung, der Eintritt ist kostenlos und das Programm, seit Jahr und Tag von Angelika Niescier und Ulla Oster kuratiert, ist handverlesen. So viel guter Jazz an einem Abend — das übertrifft selbst die Cologne Jazzweek. Seit einigen Jahren kommt noch das »NICA special« hinzu mit den (Kölner) Musikern dieses Exzellenzförderprogramms.
Das NICA special ist reservierungspflichtig. Der eigentliche Winterjazz-Abend könnte es aber auch sein, denn die Einlass begehrenden Zuschauer stapeln sich nicht selten bis zur Venloer runter. Auf jeden Fall zu empfehlen ist frühes Erscheinen!
Dieses Jahr ist 15-jähriges Jubiläum, und dafür haben sich Niescier und Oster etwas besonderes einfallen lassen. Neben den vielen Kölner Bands (u.a. mit Philip Zoubek, Tamara Lukasheva und Janning Trumann), die ohnehin eingeladen werden, haben sie an Musikerinnen und Musiker Wildcards ausgegeben, mit denen sie aus dem riesigen Pool der Kölner Szene exklusive Besetzungen zusammenstellen werden, um neue Projekte und Ideen zu realisieren. Das sind: Benoît Delbecq, Alexandra Grimal, Alexander Morsey, Cansu Tanrikulu — und die fabelhafte Monika Roscher, Gitarristin, Sängerin und Bigband-Leaderin aus München.
Roscher dirigiert ihre Bands wie eine Entdeckerin, die es nicht nötig, Karten zu lesen. Der Kompass ihrer Kreativität reicht ihr. Ihre Gitarre fungiert dabei als Seismograf, der Beben im Untergrund misst und sie als flirrende Linien in die Musik schreibt. Ihre Stücke beginnen oft harmlos, fast höflich, doch irgendwo im Mittelteil bricht ein Riss auf, durch den ein Schwall aus Jazz, Prog und artifiziellem Pop drängt — eine kontrollierte Entgleisung.
Ihr orchestraler Zugriff wirkt zugleich trotzig und zärtlich: ein Beharren darauf, dass kollektives Spielen utopisch bleiben darf. Wenn die Band sich in ein Crescendo schraubt, scheint Roscher weniger zu dirigieren als zu beschwören. Und in den lichten Momenten, wenn nur noch ihr Gitarrenton übrig bleibt, wird klar: Hier arbeitet jemand an einer Musik, die das Große sucht, ohne das Fragile zu verraten. Roscher in Köln mit Kölner Musiker:innen ist ein Ereignis.
Winterjazz
Sa 10.1.
Stadtgarten — All Area, ab 19 Uhr
NICA live special
Do 8. / Fr 9.1.
Stadtgarten, Jaki, Christuskirche, Neu St. Alban, jeweils ab 20 Uhr
(NICA-Abende sind reservierungspflichtig, kostenlose Tickets gab es nur bis 5.1.)