Blumen gibt es höchstens noch zum Essen: Boddenberg; Foto: Tatsuma Takeda, 2025

Kochen statt Kränze

Haus Boddenberg verquickt in Rath-Heumar Kunst und Kulinarik

Ein ehemaliges Blumengeschäft am Kölner Stadtrand ist geblieben, was es immer war: ein Eckbau, der ein wenig aus der Reihe tanzt. Wo früher aber Tulpen, Hortensien und Gladiolen standen, werden nun in wechselnden Ausstellungen junge künstlerische Positionen gezeigt. Die Schaufensterfront ist immer noch eine große ­Vitrine — die Floristerei hat aber anderen Künsten, insbesondere der Kulinarik, Platz gemacht.

Draußen leuchten weiterhin die hellgrünen Neonbuchstaben an der Fassade: Haus Boddenberg. Ein verschachteltes Haus, in dem die Künstler*innen Marie Donike und Johannes Specks leben und arbeiten. Zusammen haben sie es von Donikes Eltern übernommen, die das Blumengeschäft bis 2019 geführt haben. Heute ist es Atelier­haus und Kunstraum, ein Ort für ver­traute, aber auch spontane, immer wieder neue Begegnungen.

Den Ausstellungsraum im leicht höher gelegenen Parterre zu bespielen, läuft keineswegs problemlos ab. Stets muss der Außenraum mitbedacht werden; bewusst wird auch für die Sichtachsen vom Gehweg aus kuratiert. »Die Leute können involviert oder auch ganz beiläufig überrascht werden«, sagt Marie Donike. 

Der Kunstraum sucht die sanf­te Irritation im gediegenen Stadtteil Rath-Heumar und erlaubt unaufdringliche Überraschungen im Alltag der Nach­bar­schaft. Gezeigt werden wechselnde Ausstellungen, mit einem Fokus auf Einzelpositionen und junge ostdeutsche Künstler*innen. Installationen und Performances finden hier ebenso Platz wie kulinarische ­Interventionen. Die eigene künstlerische Praxis von Donike und Specks knüpft genau dort an. In ihrer gemeinsamen Arbeit untersuchen sie die kulturhistorische Dimension von Essen und Trinken und befragen Ästhetiken des Alltags als Träger kollektiver und individueller Erinnerungen im künstlerischen Kontext. Orte des Zusammenkommens fungieren dabei zugleich als Thema, Methode und Erinnerungsraum.

Kulinarik als ästhetische, histo­rische und vor allem soziale Praxis prägt das Haus Boddenberg. Wo früher Kränze geflochten wurden, befindet sich heute die Atelierküche; ein altes Schild mit der Aufschrift «Kränze« hängt noch und wirkt wie ein leiser Kommentar zur Kontinuität des Ortes. Ein Newsletter informiert über das anstehende Programm — für 2026 sind bereits fünf Ausstellungen geplant , in den nächsten Wochen werden sie bekannt gegeben.

Haus Boddenberg

Rösrather Str. 584
Termine und Ausstellungen: boddenberg.haus