Torschlusspanik
Mitte Januar hat sich Köln auf Fördermittel zur »Sanierung kommunaler Sportstätten« beworben. Die sogenannte Sportmilliarde stammt aus dem »Sondervermögen Infrastruktur und Klimaneutralität« der Bundesregierung. In einem ersten Schritt werden 333 Mio. Euro ausgeschüttet, um Sporthallen, Vereinsheime oder Fußballplätze auf Vordermann zu bringen. Für jede geförderte Maßnahme übernimmt der Bund 45 Prozent der Gesamtkosten, maximal aber 8 Mio. Euro. Köln schickt elf Projekte ins Rennen. Darunter ein Vereinsgebäude in Brück, ein Hockeyfeld in Marienburg oder das Waldbad in Dünnwald. Ob sie gefördert werden, entscheidet der Haushaltsauschuss des Bundestags.
Das alles wäre eine Randnotiz gewesen, wenn Köln bei seiner Bewerbung nicht eine ziemlich unglückliche Figur abgegeben hätte: OB Torsten Burmester (SPD) bemühte Stunden vor Fristende eine Dringlichkeitsentscheidung. Es ist ein Instrument für Entscheidungen, die eilen und für die eine nachträgliche Zustimmung des Stadtrats als wahrscheinlich gilt. Dass der OB zu diesem Kniff greifen musste, sagt viel über die Bedeutung des Breitensports in Köln, wo man sich gern als Sportstadt vermarktet. Denn obwohl die Fördergelder bereits im Oktober öffentlich ausgelobt wurden, hätten Stadtverwaltung und Politik die Chance auf Millionen vom Bund beinahe untätig verstreichen lassen — trotz leerer Stadtkasse und maroder Sportstätten. Das wäre umso peinlicher gewesen, als die Stadt nur Tage später ihre Kampagne startete, mit der sie die Kölnerinnen und Kölner von Olympischen Spielen überzeugen möchte. Der einstige Sportfunktionär Burmester wendete diese Blamage gerade noch ab. Es war ein Treffer in der Nachspielzeit, der eine desolate Leistung seiner Mannschaft kaschierte. Immerhin.
Unklar ist jedoch, ob die Stadt in ihrer prekären Haushaltslage überhaupt imstande wäre, den Eigenanteil für die Projekte aufzubringen. An der fast flächendeckend maroden Infrastruktur im Kölner Sport würde aber auch eine Finanzspritze aus Berlin nichts ändern. Die Sportmilliarde zahlt auf einige wenige Projekte ein. Das ist nicht nichts — aber doch zu wenig.