Vornehmer Eigensinn
Cory Hanson, Sänger, Gitarrist, Songwriter, kommt ins Bumann & Sohn, und wie so oft bei Künstlern aus dem Umfeld des legendären Labels Drag City läuft bei ihm alles auf eine bestimmte Haltung hinaus: ein wenig nostalgisch, verschmitzt, tief verwurzelt in der amerikanischen Rock(gegen)kultur. Hanson ist kein Neuer, aber auch keiner, der sich mit einem klar umrissenen Profil aufdrängt. Bekannt wurde er als Kopf der Band Wand, deren schwereloser Psychedelic-Rock die 90er und 80er Jahre ignorierte und dennoch keine reine Retro-Show war. Parallel dazu existiert seit einigen Jahren ein Solowerk, mit dem Hanson den Fokus verschiebt: weg vom Fuzz, hin zu Songformen, die sich demonstrativ an scheinbar abgehangene Traditionen anlehnen.
Hanson singt Songs, die nach Country, Folk oder Westcoast-Pop klingen, ohne je ganz darin aufzugehen. Er zelebriert keine nostalgische Rückkehr, eher eine nüchterne Bestandsaufnahme: So kann man also heute auch noch schreiben. Die Arrangements sind oft erstaunlich offen, manchmal geradezu karg, und lassen Platz für kleine Verschiebungen — ein Akkord, der länger stehen bleibt als erwartet, eine Melodie, die sich nicht ganz entscheidet, ob sie eingängig sein will. Ironie liegt hier weniger im Text als in der Geste. Hanson bedient sich einer vertrauten Sprache, ohne ihr zu trauen.
Drag City ist dafür der passende Rahmen. Das Label steht seit Jahrzehnten für Künstler, die sich dem Markt entziehen, ohne ins Obskure zu kippen. Hansons Lieder erzählen von Beziehungen, von Müdigkeit, von einer Welt, die bitte überschaubar bleiben soll — nicht aus Naivität, sondern aus Trotz. Das Persönliche wird nicht hemmungslos ausgestellt, im Vordergrund dominiert die stille Ironie. Wer hier große Gesten erwartet, wird enttäuscht; wer genau hinhört, merkt, dass sich hinter der Zurückhaltung eine eigensinnige Dramaturgie verbirgt.
Live funktioniert das Material überraschend gut. Vielleicht, weil Hanson nicht versucht, seine Songs aufzublasen. Er spielt sie, als seien sie Skizzen, die man jederzeit wieder verwerfen könnte. Diese Offenheit überträgt sich. In einer Zeit, in der Indie-Rock oft nach maximaler Wirkung strebt (strenggenommen kein »Indie« mehr ist), wirkt das fast altmodisch — aber eben auch souverän.
Cory Hansons Stärke liegt im Beharren, im leisen Variieren. Wer sich darauf einlässt, bekommt keine Offenbarung, aber etwas vielleicht Wertvolleres: das Gefühl, dass Popmusik auch als denkende Praxis existieren kann. Und das ist, bei aller künstlerischen Distanz, durchaus tröstlich.