»Jane Eyre« in Voodoo-Schauergestalt: »I Walked with a Zombie«

Abgründe der Leidenschaften

Im Filmclub 813 trifft Rosa von Praunheim auf die ­Brontë-Schwestern

Februar, der Monat von Karneval und Berlinale. Das Kinoprogramm ist entsprechend mager — wer soll es auch gucken oder sich um die Vorführungen kümmern? Aber auch die Daheimgebliebenen brau­chen Anregung und Abwechslung, und die bekommen sie, wenn auch nicht mit der Schöpfkelle, sondern dem Dessertlöffel. Der Filmclub 813 erfreut mit einer kleinen, feinen Schau von Filmen, die auf Stoffen der Brontë-Schwestern ­basieren — wohl nicht zufällig im Monat des Starts von Emerald Fennells »Wuthering Heights«-Adaption. Allein aus Verfilmungen von Emily Brontës einzigem Roman aus dem Jahr 1847 ließe sich ein abwechslungsreiches ­Programm ­zusammenstellen — wobei zu­mindest zwei der drei Versionen, die hier laufen (William Wyler, 1939; Andrea Arnold, 2011), noch nicht einmal zu den interessanten zählen. Unbedingt sehenswert ist dagegen Luis Buñuels Version »Abismos de pasión« (1954).

Höhepunkt der Reihe ist deren Auftakt, und sei es nur wegen der künstlerischen Kontraste bei extremer historischer Nähe: zweimal Charlotte Brontës »Jane Eyre« (1847), zuerst eher lose in der Voo­dooschauer-Gestalt von Jacques Tourneurs »I Walked with a Zombie«, gefolgt von Robert Stevensons streng-klassizistisch vor sich brütendem »Jane Eyre«, beide Filme stammen aus dem Jahr 1943. Zu­sam­mengenommen offerieren sie eine perfekte Verdichtung des spe­zifischen Hollywood-Genies jener Ära: geist- und würdevoll, zutiefst demokratisch, von handwerklicher Intelligenz und Sicherheit. Was ganz genau so auch für Curtis Bern­hards »Devotion« (1946) gilt, einer recht freien Filmbio­gra­fie der Brontë-Schwestern, ­deren Ernsthaftigkeit frei von ­aller Eitelkeit ist.

Die Filmclub-Dauerreihe »Boulevard der Erinnerung« ist dem kurz vor Weihnachten verstorbenen Rosa von Praunheim gewidmet, Avantgardist, Formenerfinder, Agitator und Autor einer alternativen Geschichte des 20.Jahrhunderts. Sein Werk ist gewaltig, jede Auswahl wirft Fragen auf, doch die zwei gezeigten Doppel wirken verblüffend richtig und gerecht: »Die Bettwurst« (1971) und »Leidenschaften« (1972) ­haben so nacheinander gezeigt etwas zutiefst Dialektisches, ­Innen- und Außenperspektive, Spiel und Wirk­lichkeit. Ähnliches ließe sich auch über »Schwestern der Revolution« (1969) und »Horror Vacui« (1984) sagen: erst die Agitation, der Aufbruch in einer offen-viel­gestal­ti­gen Form, dann die Warnung in einer geschlos­sen-­stili­sierten Form.

Infos: filmclub-813.de