Mia Oberländer: »Saloon«
»Wir sind von der Streitschlichtung. Wir haben einen anonymen Hinweis bekommen«, erklären zwei in Schutzanzüge gekleidete Beamte, die bei einem eskalierenden Familienfest eingreifen müssen, um die offen und verdeckt ausgetragenen Aggressionen wieder in den Griff zu bekommen. Ihre Taktik, alle Anwesenden zu einem gemeinsamen Tanz vor dem kalten Büffet zu verpflichten, führt jedoch zunächst zu noch größerem Chaos. Diese Szene umreißt den Humor von Mia Oberländers neuer Graphic Novel »Saloon«, deren ans Westerngenre angelehnter Titel nicht zufällig gewählt ist: »Karge, trockene Landschaft, Outlaws, piksige Kakteen, Duelle und Wanted-Plakate passen hervorragend zu einer Geschichte über einen Familienstreit«, erklärt die 1995 geborene Hamburger Zeichnerin. »Saloon« zeigt die Ebenen von Familienstreit: zwischen Geschwistern, Ehepartnern, Eltern und Teenagern. Es tauchen auf: Der nervige Onkel, die gelangweilten Kinder, die dominante Gastgeberin, die angespannte Schwiegertochter. Sie alle spielen in einem surrealen Setting verschiedene familiäre Konfliktlinien durch, zeichnerisch virtuos gespiegelt in immer unruhigeren Zeichnungen, in denen die Wachs- und Ölkreiden in Konflikt mit den umliegenden Panels geraten.
Edition Moderne, 368 Seiten, 35 Euro