Ganz schön schwer, das Ding: Khaled Ali Darwich zeigt, wo die Steinplatte des römischen Hausaltars befestigt war

Schlummernde Sensationen

Rund um die Miqua machen Archäologen alle naselang Funde aus der Römer-Zeit

Bei den Grabungen unter dem Rathausvorplatz hat Khaled Ali Darwich schon viele Funde gemacht. Aber dieser, sagt er, sei mit Abstand der tollste: Zunächst kam nur ein Rundbogen zum Vorschein, dann legte er mit Kollegen einen Hausaltar aus dem 2. Jahrhundert frei, Lararium genannt und so gut erhalten wie sonst nur in Pompeji oder Herculaneum, wo die vulkanische Asche die römischen Stätten über die Jahrtausende konserviert hat. ­»Darauf bin ich schon sehr stolz«, sagt Khaled Ali Darwich.

Wahrscheinlich, so Marcus Trier, Direktor des Römisch-Ger­ma­nischen Museums, sei dies der Altar der Hausangestellten des Prätoriums gewesen. »Auf der ­einen Seite haben wir den Prunk und Pomp des Statthalterpalasts, der die Macht Roms repräsentiert. Auf der anderen den intimen Hausaltar der Bediensteten.« In der Wandnische sieht man noch Ausmalungen und Rußspuren von Kerzen, die dort für die Hausgötter aufgestellt wurden. Nagellöcher deuten daraufhin, dass man hier einst Girlanden aufhängte. Und eine Altarplatte, die die Archäologen dort ebenfalls fanden, passt perfekt an eine Bruchkante unterhalb der ­Nische. Sie soll wieder eingesetzt werden, wenn der Altar restauriert und Teil des unterirdischen Rundgangs der Miqua wird, des Jüdischen Museums im Archäologischen Quartier. 

Das ist so fantastisch, das muss einfach in den Parcours integriert werdenMarcus Trier

»Das ist so fantastisch, das muss einfach in den Parcours integriert werden«, sagt Marcus Trier. Das ­erfordert einige Umplanungen — und es sind nicht die einzigen: Wo die Archäologen ihre Werkzeuge auch ansetzen beim Bau des Rundgangs, es kommt eine Sensation zum Vorschein, so scheint es. Zum Beispiel die Treppe aus dem späten 1. Jahrhundert, die vom Rhein zum Statthalterpalast führte. Auch sie wird Teil des Parcours werden, denn Treppen überdauern die Zeiten sonst äußerst selten. All dies verzögert die Arbeiten — aber auch beim Museumsgebäude obendrüber dauert es ja länger. Gerade ver­meldete die Stadt, dass sich die Arbeiten an Dach und Fassade verzögern, zuvor hatte man dem Stahlbauer gekündigt. Nun soll die Miqua 2029 eröffnen. Wünscht man sich da als Archäologe nicht heimlich die nächsten Baumängel oder Lieferschwierigkeiten herbei, damit alles noch etwas länger dauert und man noch ein wenig weiter buddeln kann? Wer weiß schließlich, welche ­Sensationen da unten noch so schlummern? »Auf keinen Fall«, sagt Marcus Trier. »Ich freue mich, wenn die Grabung vorbei ist. ­Archäologie muss planbar sein.«

So machte man denn auch kein langes Aufhebens um die römische Pfahlwand, die man im Januar drüben auf der Baustelle für den Anbau des Wallraf-Richartz-Museums fand. Sie war Teil der Ufer­befestigung des römischen Hafens. Man habe die Wand an Ort und Stelle dokumentiert, die Hölzer danach gezogen und in die Universität gebracht, wo sie untersucht werden, so Trier. Trotzdem dauern die Bauarbeiten vier Monate länger. Die Kölner wüssten die Arbeit der Archäologen aber sehr zu schätzen, glaubt Trier. Man sei stolz auf die römische Vergangenheit. »Köln ist die einzige Millionen­stadt mit 2000 Jahren ­urbaner Kontinuität. Die vielen ­Superlative, mit denen Köln sich gerne schmückt — da treffen sie ­tatsächlich zu.«