Verstoß gegen das Völkerrecht: Hitlers Remilitarisierung des Rheinlandes

Reitübungen für den Krieg

Der Peters­hof in Müngers­dorf thematisiert Hitlers Rhein­land­besetzung vor 90 Jahren

Die Massen waren auf den Straßen, die Innenstadt mit Hakenkreuz-Fahnen beflaggt, und Zigtausende bejubelten die militärische Besetzung ihrer Stadt. Am 7. März 1936, vor 90 Jahren, inszenierte Hitler den Einmarsch der Wehr­­macht ins Rhein­land, das als Folge des 1918 verlorenen Welt­kriegs ent­militarisiert zu sein ­hatte. So legte es der Versailler Vertrag vom 28. Juni 1919 fest. Nie wieder sollten deutsche Truppen aus den Grenzregionen heraus Belgien und Frankreich überfallen können.

Die Remilitarisierung des Rheinlandes — neben Köln betraf das auch die Regionen um Mainz, Düsseldorf, Aachen, Trier und Saarbrücken — war ein Verstoß gegen das Völkerrecht. Der wurde ab 1933 immer offener betrieben. Eine Machtdemonstration Hitlers, der davon ausging, dass der Verstoß nicht mehr geahndet werden würde. Der 7. März sollte ein Triumph des Regimes werden — und wurde es auch. Mit fatalen Folgen.

Natürlich feierten die Menschen nicht die Besetzung ihrer Städte, sondern die wiedergewonnene Souveränität Deutschlands. »Die Remilitarisierung des Rheinlands war eine entscheidende Marke auf Hitlers Weg in den Krieg«, schreibt der Historiker Alexander Wolz. Es war kein Wunder, »dass Hitler nach der überstandenen Feuerprobe jede Zurückhaltung ablegte und fortan keine Grenzen mehr kannte«. Es folgten der Anschluss Österreichs, die Zerschlagung der Tschechoslowakei, schließlich der Überfall auf Polen und ab Mai 1940 der Blitzkrieg gegen die westlichen Nachbarn, der nur durch die Remilitarisierung des Rheinlandes möglich war.

Wolz ist einer der Referenten, die auf einer Gedenk­veranstaltung anlässlich des 90. Jahrestages im Müngers­dorfer Peters­hof reden werden. Der Peters­hof ist heute Wohn­genossen­schaft und sozio­kulturelles Zentrum mit ­Initiativen, darunter die »AG Geschichte«, die den Ort, seine Nachbar­schaft und das Veedel nach ihrer Vergangen­heit befragt und Spuren von Gewalt und Wider­stand nachgeht. Was sie entdeckt haben, ist spektakulär: Mit dem Truppen­einmarsch in Köln musste eine Reiter­gruppe der Hitler-Jugend ihre Kaserne in Riehl räumen — und bekam von der Stadt den damals leer stehenden Peters­hof zugewiesen. So wurde der Vierkant­hof zum Stütz­punkt para­militärischer Übungen. Am Ende der Veranstaltung steht die große Frage, wie wir heute auf die anstehende Militarisierung der Gesell­schaft reagieren wollen.

Sa, 7.3.

14 Uhr, Petershof, Müngersdorf, ­Lövenicher Weg 9-11
petershof.org