»Es gibt keine Fehler«
Jørgen Dobloug ist ein unbekannter Bekannter. Dieser Eindruck stellt sich ein, wenn man Tim Simon Tilgner, dem Sohn des 2018 verstorbenen norwegischen Malers, zuhört. In der Subbelrather Straße befindet sich der Sitz des Estate und des Archivs: Hier betreibt Tilgner akribische Recherchen, um das Leben und Werk seines Vaters möglichst lückenlos aufzuarbeiten.
Ab 1971 hat der 1945 in Oslo geborene Dobloug an der Düsseldorfer Kunstakademie studiert. Bis zu seiner endgültigen Rückkehr nach Norwegen 1990 verkehrte er mit den einschlägigen Protagonisten der rheinischen Kunstszene. Der erweiterte Kunstbegriff seines Lehrers und Mentors an der Akademie, Joseph Beuys, wies den ersehnten Weg in die künstlerische Freiheit und sollte sich im lebenslangen schöpferischen Credo »Es gibt keine Fehler« niederschlagen.
Statt Werke zu vernichten, überarbeitete sie Dobloug in lustvoller Experimentierfreude, teils über Jahrzehnte hinweg. Das erklärt den Stilpluralismus, der seinem Schaffen innewohnt. Da ihn malerische wie handwerkliche Fragen interessierten, lotete er die vielfältigen Möglichkeiten von Farbe und Fläche aus, oft an vielen Bildern gleichzeitig. Es entstanden auch jene Kompositionen mit hohem Wiedererkennungswert, die zu seinem »Markenzeichen« wurden: Köpfe, mal abstrahierend angedeutet, mal charaktervoll konturiert. Zeitlebens wurde das Werk von Dobloug in Ausstellungen u.a. »Die Große« in Düsseldorf gezeigt und von prominenten deutschen Sammlungen angekauft.
Neben der engen Verbindung zu Beuys — nach dessen skandalöser Entlassung übernahm Dobloug die Klasse als Tutor —, knüpfte er unter anderem Kontakt zu Gerhard Richter, für den er zeitweise als Assistent arbeitete, sowie Imi Knoebel und Axel Hütte. In Erscheinung trat er durch ein aktives Engagement für den Austausch der Kunstszenen in Düsseldorf und Oslo sowie als häufiger Gast im legendären Ratinger Hof. »Alle erinnern sich an ihn«, berichtet Tilgner über die befragten Zeitzeugen und Weggefährten. Trotzdem blieb Dobloug der stille Mann im Hintergrund.
Den Vater aus dem Schatten der Kunstgeschichte zu holen ist nun die Mission von Tilgner: »Es muss aufgearbeitet werden, was er selbst nicht erzählt hat«. Ende 2027 widmet das renommierte Lillehammer Kunstmuseum Dobloug eine umfangreiche Einzelausstellung, die das gesamte Schaffen seit den 1960er Jahren beleuchtet — und ihm zu weitreichender Bekanntheit verhelfen dürfte
Weitere Infos zum Künstler, kommenden Ausstellungen und ein umfangreiches
Bildarchiv: jorgendobloug.org