Endlose Sinnlichkeit des Kinos
Fangen wir traurig an: Am 14. März jährt sich zum 14. Mal der Tod von Helmut W. Banz — dem letzten bedeutenden Filmkritiker und Programmmacher unserer Stadt. Wie immer gedenkt der Filmclub 813 seiner handfest an diesem Tag, heuer mit einem Doppelpack von Filmen von Gregory John Markopoulos: »Ming Green« (1966), einer elegant-elegischen Raum-, Farb- und Rhythmus-Studie, sowie dem schwul-symboli(sti)schen Psychodrama »Twice Man« (1963) — endlose Sinnlichkeit des Kinos.
Am nächsten Tag, je nach cinephiler Befindlichkeit als Komplementär- oder Kontrastprogramm, läuft »Mary Poppins« (1964) von Robert Stevenson, einer der faszinierenderen Gestalten des klassischen Hollywoodkinos.
Über den Monat verstreut und darüber hinaus gibt es im Filmclub 813 zudem Klassiker des brasilianischen Kinos. Zu sehen ist, was es hier einmal im Verleih gab oder immer noch gibt, darunter Jorge Bodanzkys und Orlando Sennas mehrheitlich vom ZDF produzierter »Iracema« (1975), der heute wie eine Verdichtung verdammt vieler Widersprüche jener Jahre hüben wie drüben wirkt. Eduardo Coutinhos Dokumentar-Politthriller »Cabra Marcado para Morrer« (1984) oder Glauber Rochas Geschichtsverdichtungsdelirium zwischen Verismus und Theater »Terra em Transe« (1967) haben sich jedoch um einiges stabiler gehalten.
Das Kracherprogramm des Monats offeriert das Japanische Kulturinstitut, wo man sich ausgiebig mit der Schnittstelle von Kabuki-Theater und TV/Kino beschäftigt. Das Ganze hat zwei Standbeine: Zum einen werden Episoden aus der zwischen 2019 und 2022 entstandenen TV-Serie »Kabuki Kool« gezeigt, die sich farbig und gut nachvollziehbar mit Themen wie Bösewichten und Dämonen in der Welt des Kabuki oder Bestsellern und Kabuki beschäftigt (hier geht es unter anderem um die Bühnen-Adaption von Masashi Kishimotos weltweit erfolgreichem Manga »Naruto«). Zum anderen laufen Dokumentationen von Theateraufführungen aus der »Cinema Kabuki«-Produktion des Studios Shōchiku, mit der man die Hauptgeschäftszweige des Hauses kreativ verwob. Unter letzteren findet sich ein veritables Schmankerl: »TheTale of Bunshichi« (2008), der von niemand geringerem als Yōji Yamada inszeniert wurde. Ebenfalls lehrreich: Zwei Adaptionen von Chikamatsu Monzaemons »Mord in der Ölhölle« (1721) — einmal als Spielfilm (1992) des großen Hideo Gosha und einmal als »Cinema Kabuki«-Verfilmung (2011). Da lernt man was.
Infos: filmclub-813.de, jki.de