»Slàinte Mhath!«: Peter Klas vor einigen seiner Schätzchen

Die Eichenwand am Gaumen

Peter Klas, Betreiber von Scotia Spirit im Friesenviertel, hat eine Tasting-Bar für Scotch Whiskys eröffnet

Kaffee, Bier und Wein sind in Köln überall präsent. Lokale mit Anspruch präsentieren Specialty Coffees, Craft Beer oder Naturwein für Nerds. Der Whisky-Trend aber scheint an Köln vorbeigezogen zu sein. Es gibt in der Millionenstadt kaum spezialisierte Läden, und auf den Karten der meisten Bars findet man Mainstream. 

Dabei ist Interesse für Whisky jenseits der Supermarktware vorhanden. Das sagt Peter Klas, Betrei­ber von Scotia Spirit an der Friesen­straße und Spezialist für schottische Single Malts, jene Scotch Whiskys, die aus einer einzigen Brennerei stammen und nur aus Gerstenmalz und keinem anderen Getreide hergestellt werden. Der Weltmarkt hingegen, sagt Klas, der Scotia Spirit 2013 eröffnet hat und auch eine Filiale in Düssel­dorf betreibt, werde zu 90 Prozent ­geprägt von Blended Whiskys, die aus mehreren Getreidesorten ­hergestellt, schneller destilliert und überwiegend auf einen ­ge­fälligen Geschmack hin aus­gerichtet werden.

»Eigentlich mochte ich früher ­keine Spirituosen«, erzählt Klas. »Aber ich kannte ja auch noch ­keine Scotch Whiskys.« Erst die Reisen nach Schottland, ein Land, für das sich Klas schon früh begeisterte, habe alles verändert. »Dass eine Spirituose dieses Aromenspektrum haben kann — das habe ich erst durch die Single Malts kennengelernt.« Mittler­weile ist Klas ein inter­national angesehener Experte, hat zahlreiche der zurzeit rund 120 schottischen Brennereien besucht und trägt unter anderem den Titel »Keeper of the Quaich«, die höchste Auszeichnung, die ­einem in der schottischen Whisky­kultur zuteil werden kann.

Neben 1500 Flaschen aus sämt­lichen schottischen Brennereien, die bei Scotia Spirit zum Verkauf stehen, sind Whisky-Tastings der Schwerpunkt. Blickfang in der neuen Tasting-Bar mit den Chester­field-Sitzecken ist das große, goldgelb illuminierte Regal mit zahlreichen Flaschen. 500 Scotch Whiskys sind glasweise, als dram, zu haben — mindestens ein Beispiel aus jeder der 120 Brennereien. Zudem werden 15 flights angeboten, je vier Beispiele von Single Malts unter einem bestimmten Motto, etwa für Lieb­haber torfiger Whiskys oder leichter »Breakfast Whiskys« (freitags und samstags ist ab 11 Uhr geöffnet). Ein Flight für Einsteiger kostet 28 Euro.

An einem Freitag sieht man hier schon nachmittags Paare und Grüppchen, nicht bloß Kölner, auch internationales Publikum. Entgegen dem Klischee sind es nicht nur Männer, sondern auch Frauen. Der zweisprachige Service ist fachkundig, ohne den Dünkel des Experten. »Es geht doch darum, dass einem schmeckt, was man trinkt und dass man auch Neues kennenlernt — man muss das nicht unbedingt mit Fachvokabular beschreiben können.« Das freilich kann Klas und stellt zwei Flaschen auf den Tisch, um die Spannbreite der Single Malts zu zeigen.

Eigentlich mochte ich früher keine ­Spirituosen. Aber da kannte ich ja auch noch keine Scotch Whiskys Peter Klas 

Der erste stammt aus den nörd­lichen Highlands, lag zunächst zehn Jahre im 250-Liter-Fass, ­einem Hogshead Cask, das aus Holz ehemaliger Bourbon­fässer besteht. »Dann kaufte ein unab­hängiger Abfüller dieses Fass und gab den Scotch für das Finish ein Jahr in kleinere Portweinfässer, um ihn nachreifen zu lassen«, erklärt Klas. »In den kleinen Fässern, sogenannten Octaves mit nur rund 50 Litern, hat der Malt mehr Kontakt zur Eichenwand. Das gibt Punch und Aroma.« Als Kontrast dazu ein Single Malt aus der Region Islay, die für rauchige, getorfte Whisky steht. Auch hier ist es ein unab­hängiger Abfüller, der Fässer bei renommierten Destillerien kauft und daraus besondere Single Malts schafft. »Dieser wurde in vier Fässern gelagert: Bordeaux, Bourbon, Sherry und Virgin Oak, also unbenutzte Eichen­fässer, die Gerbstoffe, auch Vanille- oder Karamellnoten beisteuern«, sagt Klas. »So kunterbunt zu mischen, ist ungewöhnlich — meist wird der Scotch lange im Bourbonfass gelagert und das Finish geschieht dann im Sherryfass.«

Und so kann Peter Klas begeistert über Herstellung, Brennereien und Historie des schottischen Whiskys erzählen. Manche Kenner geben mit der Pipette auch ein, zwei Tropfen Wasser in den Whisky. Gute Idee? »Das kann man machen«, sagt Klas. »Es lässt die Aromen kurz deutlicher hervortreten. Ich tue es nicht.« Und was ist eigentlich mit Eis im Whisky? Kurze Pause. Dann sagt Peter Klas: »Wenn ich schlechten Whisky trinken würde — was ich nicht tue —, dann würde ich auch Eis hinzugeben.«

Scotia Spirit, »Taste It«-Whisky-Bar
Friesenstr. 16a, Tel. 789 443 70, scotia-spirit.de
Ö: 15-22, Fr/Sa 11-23.30, R: Mo/Di