Dreharbeiten von »Oskar ist los« (1991), Kurzspielfilm für das Kinderfilmfest. Foto: jfc Medienzentrum

Von No-Future bis KI

Das jfc Medienzentrum feiert Jubiläum. Eine Ausstellung gibt spannende Einblicke in fünfzig Jahre Kölner Jugendkultur

In der großen Verhütungsmittelshow präsentieren sich Pille, Spirale und Diaphragma, mit all ihren Vor- und Nachteilen — und in breitem Kölsch dargestellt von Teilnehmerinnen des Jugend­film­clubs Ende der 70er Jahre. Diese und andere Beiträge des Videomagazins Lurens zeigt die Jubiläums­aus­stellung des heutigen jfc Medien­­zentrums im Bezirks­rathaus Nippes. Die Fach­stelle für Jugend- und Medien­arbeit, die auf dem Clouth-Gelände in Nippes ihren Sitz hat, wird fünfzig Jahre alt. 

Zwei Jugendliche aus dem Jugendboard des jfc haben die Ausstellung kuratiert. Sie erzählt lebendig von der Kölner und bundesrepublikanischen Geschichte und Jugendkultur. So zeigt das 1988 nach dem Tschernobyl-GAU produzierte Pro­jekt »Noch zwei Stunden Lebenszeit — der Countdown läuft…« ­Video-, Radio- und Computerclips zu Visionen der Jugendlichen und ihrem No-Future genannten Lebensgefühl. Bei »Siffong — Jugend­liche klären ihren Stadtteil« dokumentierten eine Jungen- und eine Mädchengruppe 1990 über Monate hinweg ihre Sicht auf ihren Stadtteil, in anderen Videos der 90er Jahre erzählen Jugendliche von ihrer Faszination für Rollenspiele, Skaten auf der Domplatte und Computer (»Ich habe durch den Computer unheimlich viele neue Menschen kennengelernt«).

»Es war für mich sehr schön zu sehen, dass Jugendliche vor vierzig Jahren ähnliche Themen bewegt haben wie mich heute«, sagt Miranda (15) aus Nippes, die die Ausstellung mit kuratiert hat. So hätten sie damals Filmtage gegen Faschis­mus veranstaltet oder Videos darüber gedreht, wie es ist, wenn man aus Jugendzentren »herauswächst« und keinen Ort hat, an dem man sich zugehörig fühlt. Der Idee des jfc ist bis heute gleich: Jugendliche setzen sich selbstorganisiert mit Medien auseinander, um Themen ihrer Zeit zu verarbeiten. Doch viele Aufgaben sind hinzugekommen: kulturelle und Medienweiter­bildung für Fachkräfte, Medienprojekte in Schulen, Projekte zu Social Media und KI. Und dann ist da noch »Cinepänz«, das 1989 erstmals als »Kölner Kinderfilmfest« stattfand. Es zählt bis heute zu den wichtigen Filmfestivals der Stadt. 

»Ich glaube, die Ausstellung kann für Jugendliche in meinem Alter interessant sein, weil sie sehen können, was es alles für Angebote gibt, bei denen man kreativ sein kann«, sagt Miranda. Auch nach dem Jubi­läum soll das Jugendboard weiter das jfc-Programm mitgestalten. 

50 Jahre jfc-Medienzentrum

Bezirksrathaus Nippes, bis 15. Mai
Mo+Do 8–15 Uhr, Di 8–18 Uhr, Mi+Fr 8–12 Uhr
Eintritt frei; Infos: jugendfilmclub.de