Bühnenbeschimpfung
Das Theater sei elitär, spreche vorwiegend ein akademisches Publikum an, habe zu große Zugangsbarrieren. Soweit die oftmals geäußerte Kritik, mit der auch der Theatertext »Bühnenbeschimpfung« der israelischen Dramatikerin Sivan Ben Yishai arbeitet. Angelehnt an Peter Handkes legendären Einakter »Zuschauerbeschimpfung« (1966) wendet Yishai den kritischen Blick darin der Bühne zu: »Beschimpfungen« in Richtung des Theaters als gesellschaftskritischer Institution.
Da passt es ganz gut, dass sich die Darsteller:innen des Cuma Kollektivs erst einmal als unglaublich gebildet, hoch-kreativ und selbstverständlich politisch links präsentieren. Erste Brüche in dieser positiven Selbstidentifikation werden schnell sichtbar, doch vor allem reflektiert die Inszenierung amüsant bis nervenzehrend in den Monologen eine Selbstbeweihräucherung, die Darsteller:innen und Zuschauer:innen wie ein exklusiver Pakt verbindet.
Man spricht eine international gehobene Sprache, die sich ungewöhnlicher Metaphern bedient. Im bedeutungsschwanger aufgeladenen Theatersaal wird Unverständnis zumeist klein geschrieben. Was dieser intellektuellen Wertschätzung oftmals gegenübersteht, sind unterirdische Honorare und das gesellschaftliche Unverständnis darüber, mit der Kunst den Lebensunterhalt verdienen zu wollen. Das Trio entfaltet seine Beschimpfung dabei über weite Strecken überraschend zärtlich in leisen, behutsamen Tönen.
Im Zuge einer lediglich zweiwöchigen Probenphase — die wesentlicher Bestandteil der FWT-Reihe »Ein Stück weiter« ist — sendet die Gruppe universale Botschaften über die Kunst der Ungewissheit Richtung Publikumsränge. Saxofon, Bass, akustische Gitarre, Sprechgesang und Flüstereien spannen im Gewand eines Kammer-Pop-Konzerts ein fragiles Glaszelt über die Häupter, das mit zunehmender Darbietung in Kakophonie mündet und zerbirst. Das alleine ist keine Befreiung, denn in den Tiefen jedes Theatersaals wartet eine Mauer. Doch Arme, Hände, Beine und Füße scheitern an der Überwindung.
»Bühnenbeschimpfung« erzählt die Geschichte von König Geist, der in den Windungen eines verschütteten Totenschädels umherirrt. Freiheit aber bedingt Kopf- wie Herzzerbrechen. Das Cuma Kollektiv wagt ein bemerkenswertes Experiment, dessen weiße Fäden die schwarzen Löcher einer Dystopie zu stopfen versucht.
Freies Werkstatt Theater
29.4. & 2.5., 20 Uhr