Zwei Wochen Probe, dann »Bühnenbeschimpfung«: das Kölner Cuma Kollektiv; Foto: Niklas Berg

Bühnenbeschimpfung

Richtungs­wechel nach Peter Handkes »Zuschauer­beschimfpung«: Theater­kritik vom Cuma Kollektiv

Das Theater sei elitär, spreche vor­wiegend ein akademisches Publikum an, habe zu große Zugangsbarrieren. Soweit die oftmals geäußerte Kritik, mit der auch der Theatertext »Bühnen­beschimpfung« der israelischen Dramatikerin Sivan Ben Yishai ­arbeitet. Angelehnt an Peter Handkes legendären Einakter »Zuschauerbeschimpfung« (1966) wendet Yishai den kritischen Blick darin der Bühne zu: »Beschimpfungen« in Richtung des Theaters als gesellschafts­kritischer Institution.

Da passt es ganz gut, dass sich die Darsteller:innen des Cuma Kol­lek­tivs erst einmal als unglaublich gebildet, hoch-kreativ und selbstverständlich politisch links präsen­tieren. Erste Brüche in dieser positiven Selbstidentifikation werden schnell sichtbar, doch vor allem reflektiert die Inszenierung amüsant bis nervenzehrend in den ­Monologen eine Selbstbeweihräu­che­­rung, die Darsteller:innen und Zuschauer:innen wie ein exklusiver Pakt verbindet. 

Man spricht eine international gehobene Sprache, die sich ungewöhnlicher Metaphern bedient. Im bedeutungs­schwanger aufgeladenen Theater­saal wird Unverständnis zumeist klein geschrieben. Was dieser intellektuellen Wert­schätzung oftmals gegen­über­­steht, sind unter­irdische Honorare und das gesell­schaft­liche Unverständnis darüber, mit der Kunst den Lebens­unter­halt verdienen zu wollen. Das Trio entfaltet seine Beschimpfung dabei über weite Strecken über­raschend zärtlich in leisen, behutsamen Tönen.

Im Zuge einer lediglich zweiwöchigen Proben­phase — die ­wesentlicher Bestand­teil der FWT-Reihe »Ein Stück weiter« ist — sendet die Gruppe universale Bot­schaften über die Kunst der Ungewissheit Richtung Publikums­ränge. Saxofon, Bass, akustische Gitarre, Sprech­gesang und Flüstereien spannen im Gewand eines Kammer-Pop-Konzerts ein fragiles Glaszelt über die Häupter, das mit zunehmender Darbietung in Kako­phonie mündet und zerbirst. Das alleine ist keine Befreiung, denn in den Tiefen jedes Theater­saals wartet eine Mauer. Doch Arme, Hände, Beine und Füße scheitern an der Überwindung.

»Bühnenbeschimpfung« ­erzählt die Geschichte von König Geist, der in den Windungen eines verschütteten Toten­schädels umherirrt. Freiheit aber bedingt Kopf- wie Herz­zerbrechen. Das Cuma Kollektiv wagt ein bemerkens­wertes Experi­ment, dessen weiße Fäden die schwarzen Löcher einer Dystopie zu stopfen versucht. 

Freies Werkstatt Theater
29.4. & 2.5., 20 Uhr