Foto: Christiane Wolf

H3K — Heilige Drei Kästen, Burgmauer 16

Kunst, die Trepp’ herauf

In unmittelbarer Nähe zum Dom hat sich die freie Kunstszene einen winzigen Kunstraum angeeignet, der lange Zeit verwaist schien. Der Künstler Thomas Otto Schneider hielt die Verwahrlosung von drei miteinander verbundenen Schaufensterkästen aus den 1960er Jahren an der Burgmauer 16 nicht mehr aus und verhandelte mit dessen Eigentümer über deren Renovierung. Im Gegenzug für die Sanierung auf eigene Kosten darf er die Ausstellungsfläche im Miniaturformat sechs Monate lang mietfrei bespielen. Die Herausforderung für die Künstler*innen besteht darin, sich ein Konzept für die drei Kästen zu überlegen, die der Form der nebenliegenden Treppe folgend etwas versetzt übereinander angeordnet sind. 

So ergibt sich ein Dreiklang, der aufeinander aufbaut und eine Steigerung oder Zentrierung ermöglicht. Martin Kätelhön beispielsweise präsentierte im Februar Drucke, die das erste Farbfoto des Planeten Erde, 1968 vom Astronauten William Anders während der Apollo-8-Mission aufgenommen, ins Zentrum setzen. Das von Kätelhön inszenierte Foto, längst zum Symbol der Umweltbewegung geworden, weist auf die Fragilität des blauen Planeten hin und ermöglicht inmitten des überfordernden Nachrichtenrauschens, dem wir alle tagtäglich ausgesetzt sind, eine andere Weltwahrnehmung und vielleicht sogar eine Bewusstwerdung unserer Verantwortung.

Informieren kann man sich über die jeweilige Ausstellung auf einem Schild, das unmittelbar neben den Kästen platziert ist und über einen QR-Code auf das Gesamtprojekt verweist. Bordeauxrot gestrichen, mit Licht versehen und in Sichtweite zur Wohnung des Domprobstes gelegen, erhalten die Kästen eine edle Anmutung, die jedoch gepflegt werden muss, um dem Vandalismus etwas entgegenzusetzen. Entstanden sind bisher fünf Ausstellungen, die lokale Künstler*innen vorstellen und unterschiedliche Akzente setzen. Folgen sollen zwei weitere Ausstellungen.

Doch wie wird es mit den »Heiligen Drei Kästen« nach dem April 2026 weitergehen? Die Förderung dieser Intervention im öffentlichen Raum böte der Stadt Köln eine willkommene Möglichkeit, der freien Kunstszene zumindest ein kleines Display im Stadtzentrum zu bieten und die große Wandfläche an der Burgmauer, die täglich von vielen Tourist*innen passiert wird, merklich aufzuwerten. Sie sollte nicht ungenutzt bleiben.