Schlagfertig: Ethan Hawke als Lorenz Hart © 2026 Sony Pictures Entertainment Deutschland GmbH

Blue Moon

Richard Linklaters Film über den Songtexter Lorenz Hart ist kompromisslos wortlastig

Alles dreht sich um die Wirkung einzelner Worte in Richard Linklaters 23. Spielfilm. Das regelmäßige Ringen des Protagonisten Lorenz Hart um treffende Formulierungen spiegelt nicht nur seine Arbeit als Liedtexter, die eine postume Kanonisierung im »Great American Songbook« nach sich zog. Die Handlungszeit bietet zusätzlichen Grund zur poetischen Wortklauberei, mit der Hart sich von einem Konkurrenten zu unterscheiden meint: Zu Beginn flieht Hart nämlich aus der am 18. November 1943 stattfindenden Premiere des Musicals »Oklahoma!«, das seinem langjährigen Kooperationspartner, dem Komponisten Richard Rodgers, dessen größten Broadway-Erfolg bescheren wird — und zwar just als Ergebnis einer ersten Kollaboration mit einem anderen Texter, mit Oscar Hammerstein II.

Unter diesen Vorzeichen hebt der depressive Alkoholiker Hart, während er an der Bar des legendären New Yorker Restaurants Sardi’s auf das neue Erfolgs-Duo wartet, zu einem gewitzten selbstironischen Redeschwall an. Das heißt, Robert Kaplows Drehbuch ist denkbar textlastig, was Linklaters Inszenierung aber nie zu kompensieren versucht. Im Gegenteil: Der 1960 geborene US-Regisseur unterstreicht den theatralen Charakter des fiktionalisierten biografischen Stoffes, indem er das annähernd in Echtzeit ablaufende Geschehen fast ausschließlich auf besagtes Restaurant beschränkt, dessen Innenräume in einem Dubliner Filmstudio nachgebaut wurden.

Diese Akzeptanz des »Unfilmischen« kann als Beispiel für die Kompromisslosigkeit gesehen werden, die Hart seinerseits für seine Kunst reklamiert. Hammerstein wirft er dagegen anbiedernde Volkstümlichkeit vor, was wiederum ihre Entsprechung in der dramaturgischen Instrumentalisierung eines Barmanns zum vulgär-humoristischen Stichwortgeber findet. So lässt »Blue Moon« alle erdenklichen Positionen zu Kunst und Kommerz zu ihrem Recht kommen, wobei vor allem die Szenen mit Rodgers wunderbare Subtilität erreichen.

Und da eine Nebenhandlung um eine Studentin auf deren überliefertem Briefwechsel mit Hart — also auf Schrift und Distanz — aufbaut, ist es schließlich auch passend, wenn die Vernarrtheit dieses sonst dem eigenen Geschlecht zugeneigten Mannes in eine kaum halb so alte Frau eher als abstrakte Projektion erscheint.

USA 2025, R: Richard Linklater, D: Ethan Hawke, Margaret Qualley, Bobby Cannavale, 100 Min. Start: 26.3.