Auf Zeitreise: Arco

Arco

Ugo Bienvenues Animationsfilm springt von Zukunft zu Zukunft

In ferner Zukunft leben die Menschen zwar in typischen Einfamilienhäusern, doch etwas ist anders: Die Häuser befinden sich auf schwebenden Plattformen, auf denen jeweils eine Familie wohnt. So wie die Familie des zehnjährigen Arco, der einen großen Traum hat: Er will endlich auch wie seine Eltern und seine ältere Schwester durch die Zeit fliegen, eine Möglichkeit, die in dieser Zukunft besteht. In der Vergangenheit suchen die Menschen nach Hinweisen, wie es zu der Katastrophe kam, die fast die Erde zerstört hätte.

Eines Nachts wacht Arco auf und schnappt sich einen der Diamanten, der für den Flug durch Raum und Zeit nötig ist. Ganz beherrscht er das Fliegen auf dem in allen Farben des Regenbogens schimmernden Lichtstrahl allerdings noch nicht, was eine Bruchlandung unausweichlich macht. Arco fällt in einen Wald, wo er von der gleichaltrigen Iris gefunden wird.

Die Welt, in der Iris lebt, wirkt fast wie die unsere — befindet sich aber ebenfalls in der Zukunft, irgendwann gegen Ende des 21. Jahrhunderts. Roboter haben die meisten Tätigkeiten übernommen, sorgen für Ordnung auf den Straßen, dienen aber vor allem als Kindermädchen und Aufpasser.

Meist folgen Zeitreise-Ge­schich­ten einem von zwei Mustern: Entweder geht die Reise von unserer Gegenwart in die Zukunft oder aus der Zukunft in die Gegenwart. So oder so besteht ein erheblicher Teil  des Vergnügens an den Gegensätzen der Zeiten. Ugo Bienvenu wählt in seinem Debütfilm einen anderen Ansatz: Aus einer Zukunft — von unserer Gegenwart aus — verschlägt es Arco in eine andere Zukunft. Zwei Versionen, in die sich unsere Welt also möglicherweise entwickeln könnte, werden zum Schauplatz einer nachdenklichen Geschichte mit ökologischem Touch.

Zunächst erzählt »Arco« eine schlichte, sehr kindliche Geschich­te, die liebevoll animiert und von leuchtenden Farben geprägt ist. Erst als man sich schon fast damit angefreundet hat, dass Bienvenus Ambitionen eher gering sind, schwingt sich der Film doch noch zu einer Reflexion über den Wert von Familie auf, streift für anspruchsvolle Science-Fiction typische Fragen nach Zugehörigkeit von menschlichen und künstlichen Wesen und führt am Ende die beiden Zeitebenen zu einem bemerkenswerten, rührenden ­Finale zusammen.

F 2025, R: Ugo Bienvenu, 88 Min. Start: 9.4.