Die Überwachung des Inneren — die Digitalisierung macht’s möglich, Illustration: Big Data

Der große Diebstahl

Eine selbstbestimmte Existenz in Zeiten von Datenkraken? Die Konferenz »Leben ist kein Algorithmus« diskutiert Wege dorthin

 

Ob die mitunter kruden Gebaren von Nachrichtendiensten, das Ausleuchten von Krankenkassenkunden über Wearables wie modisch-bunte Fitnessarmreifchen oder die Share Economy mit rasant wachsenden Silicon-Valley-Riesen wie Airbnb: Viele der Themen dieser Tage sind nicht zuletzt eines  —  Themen der Informations-Technologie. »Big Data« ist das vielbemühte Schlagwort, das irgendwo doch immer trifft.

 

»Big Theft«, der große Diebstahl, wäre ehrlicher. Das zumindest sagen die Organisatoren der Konferenz mit dem Titel »Leben ist kein Algorithmus. Solidarische Perspektiven gegen den technologischen Zugriff« in der Alten Feuerwache. Welcher Idee hat sich die Veranstaltung verschrieben? »Überwachung ist ein klassisches Herrschaftsinstrument. Jetzt ist es gelungen, daraus auch noch ein erfolgreiches Business Model zu machen.« So laden die Macher, eine selbstorganisierte Gruppe von unterschiedlich technologiekritischen Leuten, unterstützt von der Bundeskoordination Internationalismus (BUKO), ein.

 

In nahezu jeden Lebensbereich und jede Situation reicht die digitale Datenerfassung mittlerweile hinein, oft ist sie fast unumgänglich. Zuvorderst stifte das, argumentieren die Veranstalter, einen Nutzen für den Konsumenten.

 

Hinter der vermeintlich attraktiven Oberfläche des cleveren Konsums versteckt sich ebenso eine ökonomische Verwertbarkeit von zusammengeklaubten Daten wie die Einflussnahme auf die Verhaltensweisen des Nutzers. Verloren gehen Sozialität, Kreativität und Autorität. »Es gibt einen Mangel an gesellschaftlichem Bewusstsein für die Konsequenzen«, so die Organisatoren, »inklusive der Verstärkung von Abhängigkeiten und Ungleichheiten«. Dafür Sensibilität und Verständnis zu schaffen, ist eine Intention der Zusammenkunft. 

 

Die Themen der einzelnen Veranstaltungen und Workshops mit dem gemeinsamen Big-Data-Anker sind divers. Beispielhaft: die Bedeutung von Social Media zur Migrationskontrolle oder zur Überwindung von totalitären Regimen, die Ausbeutung bei Abbau und Handel mit Rohstoffen zur Produktion etwa von Smartphones und der Fortschritt von künstlicher Intelligenz.

 

 »Wir wollen unsere Möglichkeiten des Widerstands gegen den technologischen Zugriff auf unsere Autonomie in den Mittelpunkt stellen«, sagen die Veranstalter. Eine Art praktische Technologiekritik mit Wegen der Selbstbehauptung. Die sollen in Verweigerung und Widerständigkeit liegen — und »nicht mit puristischer Enthaltsamkeit, totaler digitaler Abstinenz oder Ausstieg aus jeglicher sozialer Vernetzung verwechselt werden«.

 

Informationen: bigdata.blackblogs.org