So sähe der große Konsens aus: Machbarkeitsstudie zum Deutzer Hafen, Visualisierung: ASTOC / Stadt Köln

Keine Körner mehr im Deutzer Hafen

Beteiligung im Konsens: Der Hafen soll ein gemischtes Quartier werden — aber nicht zu phantasievoll

 

 

Bürgerbeteiligung macht Arbeit. Und sie erfordert einen langen Atem. Beim zweiten Treffen zur  Entwicklung des Deutzer Hafens im Juni war der Andrang deutlich ge--ringer als beim Auftakt im Februar. In der Essigfabrik stellten die fünf gesetzten Planungsbüros erste Entwürfe für das Areal vor, die anschließend von Bürgern und einem Begleitgremium mit Kritik und Empfehlungen versehen wurden.  

 

Hafenanlagen — ob in London, Hamburg oder Kopenhagen — verleiten Stadtplaner und Architekten gerne zu spektakulären Entwürfen. Daran gemessen schlagen die Pläne für den Deutzer Hafen nicht über die Stränge. Spektakulär ist noch am ehesten der Vorschlag des Kopenhagener Büros COBE, das neben sehr variablen Gebäudetypen eine wasserbautechnisch schwierige Verbindung vom südlichen Hafenbecken in den Rhein vorschlägt. Aufsehenerregend sind auch die schwimmenden Parks auf dem Wasser von trint + kreuder d.n.a. (Köln), die ansonsten auf kleinteilige Bebauung setzen. Bei Lorenzen Architekten (Kopenhagen/Berlin) sticht das Grün ins Auge: Sieben Quartiere unterschiedlicher Charakteristik werden von einem mächtigen »Central Park« mit Grünflächen an der West- und Südflanke des Hafenbeckens aufgelockert. Dass sowohl der »Central Park« als auch COBEs Verbindung von Rhein und Hafen vom Begleitgremium kritisiert wurden, zeigt, welche Grenzen der Entwurfs---phantasie in Deutz gesetzt sind. Etwas konventioneller die beiden anderen Vorschläge: Diener & Diener aus Basel operieren mit kompakten Baumassen zur Siegburger Straße und eher lockeren zum Rhein hin und verlagern den Verkehr ins Innere des Quartiers; scheuvens + wachten plus partner aus Dortmund schlagen einen hoch verdichteten Gebäudekragen um den Hafen mit ein paar grünen Gassen als Auflockerung vor. 

 

An den Thementischen diskutierten die Bürger zwar die Entwürfe lebhaft, die Forderungen waren aber die bekannten — vom gemischten Quartier über den Zugang zum Wasser bis hin zu unterschiedlichen Wohntypologien oder der Bevorzugung des ÖPNV. Manche Forderung — wie die nach weniger Grün und höherer Verdichtung — klang allzu »vernünftig« und investorenfreundlich. Schließlich hat die Stadt bei der Planung des neuen Quartiers nahezu freie Hand, da rund 80 Prozent der Flächen im Besitz der stadteigenem Häfen und Güterverkehr Köln AG (HGK) sind. Anfang August beschloss der Hauptausschuss zudem den Kauf des 36 000 m2 umfassenden Areals der Ellmühle für 80 Millionen Euro von der GoodMills Deutschland GmbH. Käufer ist die städtische Projektentwicklungsgesellschaft »moderne stadt«. »Wir haben mit GoodMills vertraglich vereinbart«, sagt Geschäftsführer Andreas Röhrig, »dass sie die Mühlen bis Ende 2020 nutzen können«. Wohin GoodMills die etwa 50 Arbeitsplätze verlagert, steht derzeit noch nicht fest. 

 

Während die Kölner Politik den Kauf des Areals einhellig begrüßte, grummelte es in der Gewerkschaftsecke. Andreas Kossiski (DGB/SPD) beurteilt die drohende Verlagerung des Betriebs kritisch: »Damit verliert die Stadt Arbeitsplätze, Gewerbesteuereinnahmen und ein traditionsreiches Industrieunternehmen.« Michael Weisenstein, der für Die Linke im Stadtentwicklungsausschuss sitzt, dagegen sieht im Ankauf die »Chance für mehr kommunalen Wohnungsbau, der dauerhaft preiswert bleibt«. Dreißig Prozent plus X schweben ihm für den Deutzer Hafen vor. Städte wie München oder Freiburg experimentieren angesichts des angespannten Wohnungsmarkts aber inzwischen mit Sätzen von 50 Prozent gefördertem Wohnungsbau.

 

Bevor der neue Sachstand in die Planungen eingearbeitet wird, muss allerdings die Frage des Denkmalschutzes geklärt werden. Derzeit liegt eine vorläufige Unterschutzstellung vor der Ellmühle. Stadtkonservator Thomas Werner wartet auf ein Gutachten vom Landesverband Rheinland. Dass die Mühle unter Denkmalschutz gestellt wird, sei klar, so Landeskonservatorin Andrea Pufke. Die Frage sei eher, auf welche Gebäudeteile man verzichten kann. Bis Dezember hat Pufke Zeit, ihr Gutachten vorzulegen. Für die Planungsbüros wird das zu spät sein: Am 23. und 24. September stellen sie in einer Abschlusspräsentation ihre Entwürfe für den Deutzer Hafen vor.