Fantasy Filmfest

Auch dieses Jahr beschert das Fantasy Filmfest Köln reichlich mit Werken von eigenartiger Poesie, die man fast alle hier nicht mehr auf der großen Leinwand zu sehen bekommen wird. Neben der üblichen Genreware, welche der Liebhaber klar vorstrukturierter und mit diesen Vorgaben spielender Filmformen inbrünstig liebt, gibt es auch genuin Außerordentliches zu bestaunen. Primär aus Asien. Ganz vorne dabei: Yeon San-hos »Seoul Station«, ein grimmig-sinistrer Animationsfilm, in dem die Hauptstadt Südkoreas von einer Zombie-Invasion heimgesucht wird.

 

Die Verdammten kommen aus dem Untergrund des Hauptbahnhofs, da wo sich die menschlichen Kollateralschäden eines immer gnadenloseren Raubritterkapitalismus versammelt haben. Ebenfalls um eine gesamtgesellschaftliche Brutalisierung dreht sich Anurag Kashyaps »Psycho Raman«. Die Geschichte basiert auf den Taten des berühmtesten Serienmörders Indiens, Raman Raghav, der in der zweiten Hälfte der 60er Jahre mehrere dutzend Menschen im Großraum Bombay ermordet haben soll. »Psycho Raman« ist allerdings keine klassische Filmbiografie. Raghav steht hier stellvertrend für den Horror, den Megacities scheinbar unweigerlich hervorbringen. Um einen Psycho aus der Nachbarschaft geht es in Kurosawa Kiyoshis erstaunlichem, verblüffend behände zwischen den Tonarten springenden »Creepy«. Wer sich den entgehen lässt, ist selber schuld. Darum geht es auch in dieser Thriller-Preziose: Woran man so alles schuld sein kann!

 

Auf der anderen Seite des Pazifiks, in Mexiko-City, geht es in einem Busbahnhof irgendwo am Ende der Stadt nicht viel besser zu als in Seoul: In Isaac Ezbans »The Similars« scheint zunächst nichts zu passieren, der Schimmel breitet sich weiter und weiter aus - während sich im Zentrum ein Viertel blutrot färbt. Wir schreiben den 2. Oktober 1968, der Tag des Massakers von Tlateloclo, bei dem hunderte Studenten von Sicherheitskräften dahingemetzelt wurden. Wer es etwas kunstsinnig-abstrakter aus demselben Land liebt, sei auf Emiliano Rocha Minters »We Are the Flesh« verwiesen: Der schafft es, gleichzeitig enervierend und eklig und von erstaunlicher Schönheit zu sein. 

 

Do 1.9.–So 11.9., Residenz, Infos: fantasyfilmfest.com