Das digitale Klassenzimmer
Gute Bildung im 21. Jahrhundert — für Bundesbildungsministerin Johanna Wanka (CDU) bedeutet das vor allem: digitale Bildung. Im Oktober vergangenen Jahres kündigte sie einen »Digital-Pakt« zwischen Bund und Ländern an. Mit einem Fünf-Milliarden-Euro-Paket will sie alle 40.000 Schulen in Deutschland in den nächsten fünf Jahren mit Computern und W-Lan ausstatten. Im Gegenzug sollen sich die Länder zu pädagogischen Konzepten und Weiterbildungen von Lehrkräften verpflichten.
Von Seiten des Deutschen Lehrerverbandes kassierte Wanka dafür Kritik. Verbandspräsident Josef Kraus warnte vor den Risiken einer »überzogenen Digitalisierung von Bildung«. Er sagte: »Schule muss die jungen Leute von der Vorstellung abhalten, mit Hilfe moderner Medien könne man sich mühelos und punktuell die gerade gebrauchten Informationen einholen.« Eine solche Vorstellung, so Kraus, verführe Kinder und Jugendliche zur Flüchtigkeit und fördere sogenanntes Download-Wissen: Informationen, die on demand aus dem Netz gezogen werden, um dann sofort wieder in Vergessenheit zu geraten.
Birgit Giering von der Medienberatung Nordrhein-Westfalen sieht das anders: »Wenn Fragen im Unterricht so gestellt werden, dass man sie mit einer kurzen Google-Anfrage beantworten kann, dann sind die Fragen das Problem – nicht die digitale Welt.« Mit der Initiative »Medienpass NRW« will Giering Erziehende und Lehrkräfte bei der Vermittlung eines sicheren und verantwortungsvollen Umgangs mit Medien unterstützen. Das Potenzial von digitaler Bildung sieht Giering dabei vor allem im kreativen Umgang mit Medien: Im Unterricht könnten Schüler Weblogs und Podcasts erstellen, Comicstrips gestalten oder Schul-Clouds füllen, mit deren Hilfe Lehrkräfte, Schüler und Eltern von überall aus auf Lernmaterialien zugreifen könnten. Giering ist überzeugt: »Medienkompetenz befähigt Heranwachsende dazu, kreativ zu arbeiten und vielseitige Produkte zu erstellen, die nicht nur in der Schule, sondern auf der ganzen Welt sichtbar werden können.«