Aus Tradition ungut

Tierschützer, aber auch zunehmend die Öffentlichkeit stört der Einsatz von Pferden im Karneval. Wird das etwas ändern?

Diskussionen über den Einsatz von Pferden im Rosenmontagszug sind fast so alt wie der Zoch selbst. Doch so deutlich wie in diesem Jahr fiel die Kritik selten aus. Im Vorfeld des Straßenkarnevals hatten drei Kölner Tierschutzorganisationen den Pferdeeinsatz verhindern wollen. Weil ihre Eingabe beim Beschwerdeausschuss scheiterte, setzte sich die Debatte nach der Session fort — befeuert durch den Kollaps der Stute »Querida« im Kölner Zug.
»Es geht uns nicht darum, eine Tradition kaputtzumachen oder den Spaß am Karneval zu verderben«, erklärt Sara Beckmann. »Aber Karneval und Pferde — das passt einfach nicht zusammen.« Im Januar hatte sie mit der Tierrechtsinitiative Köln (TiK) die Be­schwer­de unterstützt. Heute verweist Beckmann auf aktuelle Vorfälle, wie sie sich auch in Bonn ereigneten. Dort gingen am Rosenmontag zwei Pferde durch. Die Kritiker verfolgen zwei miteinander verwobene Anliegen: den Tierschutz und die Gefahrenabwehr für die Zuschauer. »Selbst wenn sie trainiert sind, verlieren Pferde ihren Fluchtinstinkt nicht«, sagt Beckmann. Niemand könne voraussagen, wie die Tiere unter den Strapazen einer Massenveranstaltung reagieren. Auf die wiederum bezieht sich Peter Hüffken von der Tierrechtsorganisation Peta, wenn er sagt: »Selten ist eine Angelegenheit so eindeutig tierschutzwidrig.«
Doch wie wahrscheinlich ist es, dass sich etwas ändert? Die Möglichkeiten der Tierschützer sind be­­grenzt. Sie sammeln und sichten Material, suchen den Dialog mit der Politik, der Verwaltung und den Karnevalisten. Mit ersten Erfolgen: Das Veterinäramt hat die Beschwerdeführer im April zum Gespräch eingeladen. »Eine Entscheidung aber trifft letztlich die Politik«, erklärt TiK-Sprecherin Beckmann.

 

Dort sah man »keine Notwendigkeit für ein Verbot«, erklärt der Vorsitzende des Beschwerdeausschusses Horst Thelen (Grüne). »Das war ein politisch-gesellschaftlicher Beschluss«, einstimmig ist er auch gewesen. »Die Karnevalsorganisationen handeln verantwortungsbewusst«, sagt Thelen. Etwa mit der Vorbereitung durch Trainings oder Kontrollen von Beruhigungsmitteln. Trotzdem rechne er damit, dass seinen Ausschuss das Thema erneut beschäftigen wird. Die Voraussetzung dafür sei, dass ein Petent beim nächsten Mal einen abweichenden Sachverhalt einbringe, so Thelen.

 

Bedeckt hält man sich unterdessen dort, wo man sich der Brauchtumspflege verschrieben hat: im Kölner Festkomitee. »Unsere Nachbewertung ist in vollem Gange«, berichtet Sprecherin Sigrid Krebs. Man werde Gespräche mit allen beteiligten Gruppen führen. Mit einer Entscheidung, ob der nächste Kölner Rosenmontagszug von Pferden begleitet wird, rechnet Krebs frühestens im Spätherbst.

 

»Wir hoffen, dass die Vernunft siegen wird«, sagt Peta-Aktivist Peter Hüffken. Vernunft ist im Karneval allerdings selten ein starkes Argument.