Macht endlich Platz!
Große Politik braucht einen langen Atem. Dass aber auch kommunalpolitische Kleinstentscheidungen Zeit erfordern, hat die SPD in der Bezirksvertretung Innenstadt erfahren. Im Mai 2007 hatten die Sozialdemokraten erstmals einen Antrag zur Gestaltung des Yitzhak-Rabin-Platzes gestellt. Ganze zehn Jahre später ist es so weit: Der heruntergekommene Ort zwischen Hohenstaufenring und Rathenauplatz wird neu gestaltet. Dies soll zur Blaupause werden: Die Politik verspricht den Kölnern mehr innerstädtische Freiräume.
Das Dezernat für Stadtentwicklung hatte für den Yitzhak-Rabin-Platz in einer Ausschreibung ein »temporäres Kunstkonzept für die Dauer von bis zu fünf Jahren« gesucht, das »die Qualität des städtischen Raums freisetzt und auch eine Vision für eine spätere, möglicherweise grundlegende Neugestaltung liefert«. Kurzum: Der Platz soll wieder zum Verweilen einladen. Die Jury aus Bezirkspolitik, Gestaltungs- und Kunstbeirat entschied sich Ende März für einen Entwurf des Berliner Büros Ateliers le balto. »Wir freuen uns, dass endlich etwas passiert«, sagt Regina Börschel von der Innenstadt-SPD.
Sie hatte vor zehn Jahren den ersten Vorstoß in der Bezirksvertretung gewagt. Seitdem ringen die Politiker mit der Verwaltung. Diese arbeitet an einem umfassenden »Ringkonzept« und bewertete die davon losgelöste Neugestaltung des Yitzhak-Rabin-Platzes stets als nicht sinnvoll. »Viele wollten die ganz große Lösung. Uns ging es darum, zeitnah die Aufenthaltsqualität zu verbessern«, sagt Börschel. Die soll künftig ein »urbaner Garten« sichern — mit 15 Garteninseln und einer zentral gelegenen Holztafel. »Wir möchten dem Platz eine neue Identität geben. Er soll zu einem Treffpunkt werden«, sagt Véronique Faucheur vom Büro Ateliers le balto.
Der Yitzhak-Rabin-Platz soll aber nur der Auftakt sein für weitere Neugestaltungen. »Köln hat viele tote Räume, in denen man attraktive Quartiersplätze schaffen könnte«, sagt Börschel, und denkt exemplarisch an den Maternuskirchplatz, Sudermanplatz oder Elogiusplatz. Wie Stadtentwicklungsdezernent Franz-Josef Höing sieht auch sie den Yitzhak-Rabin-Platz als Testlauf für weitere »kleine Stadtoasen«.
»Der Yitzhak-Rabin-Platz wurde von der Bevölkerung nie angenommen, es hat nie Interesse gegeben«, sagt Andreas Hupke (Grüne), seit mehr als einem Jahrzehnt Bezirksbürgermeister in der Innenstadt. Ob sich das mithilfe von Garteninseln und einer Holztafel ändern lässt? Hupke ist wenig optimistisch. »Ich hoffe, dass meine Zweifel unberechtigt sind.«