Lastkraftwagen statt Kinderwagen: Die Philippstraße in Ehrenfeld, Foto: Dörthe Boxberg

No-Rewe-City

In Ehrenfeld soll eine Supermarkt-Filiale entstehen. Anwohner und Politiker wehren sich gegen den Lieferverkehr

Zehn Meter lang und bis zu 20 Tonnen schwer. Durch die Philippstraße in Ehrenfeld soll bald massiver LKW-Verkehr donnern. Über den schmalen Seitenarm der Venloer Straße soll ein neuer Rewe-Markt auf dem ehemaligen Woolworth-Gelände beliefert werden. Die Baugenehmigung ist bereits erteilt, doch der Unmut gegen die Pläne wächst: Erst probten die Anwohner den Aufstand, mittlerweile ist ihnen die Bezirksvertretung zur Seite gesprungen.
Seit der Einzelhändler Woolworth 2013 die Filiale in der Venloer Straße 310-316 aufgegeben hatte, wird über das Grundstück sowie das dahinter liegende Areal verhandelt. Einen ersten Bauantrag hatte der damalige Bauherr im Juni 2015 zurückgezogen, die Verwaltung hatte Nachbesserungen eingefordert. Dem strategischen Rückzug folgte der nächste Vorstoß — durch einen weiteren Antrag im Dezember 2015, der formal durch einen anderen Investor erfolgte. Auch dieser handelte im Auftrag von Rewe. »Wir haben davon lange nichts erfahren. Es wurde nie offen kommuniziert«, sagt Thomas Wenzlawski, Anwohner der Philippstraße. Als die Ehrenfelder Bürger davon erfuhren, regte sich Widerstand. Eine Petition fand knapp 1000 Unterzeichner, zudem machte Wenzlawski stellvertretend im letzten November eine Eingabe bei der Stadt.
Das Thema schwappte in die Ehrenfelder BV. »Wir hatten von Anfang an große Vorbehalte gegen die geplante Verkehrsführung«, sagt Christiane Martin von den dortigen Grünen. Andere Fraktionen sahen das bald ähnlich. Neben der Belieferung, die bis zu hundert Fahrten pro Woche bedeuten könnte, ging es etwa um die Lärmbelästigung durch die Kühlung der Lagerhallen. Die BV bat die Verwaltung, die ausstehende Erteilung der Baugenehmigung »bis zur Beantwortung der offenen Fragen auszusetzen«. Es blieb bei einer Bitte.
Am 17. März, just einen Werktag vor der Sitzung der BV am 20. März, erhielt der Investor grünes Licht vom Bauamt. »Die Anforderungen an das Projekt wurden erfüllt«, sagt Anne Luise Müller, Leiterin des Stadtplanungsamts. Der Verwaltung selbst saß der ungeduldige Investor samt Rechtsbeistand im Nacken, es drohte eine Untätigkeitsklage.

 

Die Stimmung in der BV kippte vollends: Wenngleich ihre Beschlüsse keine Rechtsverbindlichkeit für die Verwaltung besitzen, fühlten sich die Bezirkspolitiker übergangen. Sie sprachen sich einstimmig gegen die Belieferungsroute aus und baten Bezirksbürgermeister Josef Wirges (SPD), OB Henriette Reker zu informieren. »Von Bürgerbeteiligung wird viel geredet, gelebt aber wird sie nicht«, so Petent Wenzlawski. Die Bürger werden nun ihrerseits Klage einreichen. »Wir sind weiterhin an einer einvernehmlichen Lösung interessiert.« Dieses Interesse scheinen sie exklusiv zu haben.