Exodus der Primaten
Die Fronten in der Postapokalypse haben sich verhärtet: hier die archaische, im Wald verschanzte Affen-Zivilisation, dort der verbliebene, sich militärisch einigelnde Rest der Menschheit. Beide Lager eint im dritten Teil der neuen »Planet der Affen«-Saga ein jeweils eigener Kult: bei den Affen der um den intelligenten Schimpansen Caesar (Andy Serkis) und ein tiefer Glaube an die Unverbrüchlichkeit des Bundes aller Affen — eine isolationistisch-separatistisch gedachte Ideologie, die auf Distanzwahrung zu den Menschen aus ist. Unter der Parole »Alpha Omega« wiederum hat sich bei den Menschen ein Militärstaat mit Führerkult ausgeprägt. Der »Colonel« (Woody Harrelson) pocht auf das Primat der Menschen gegenüber den Primaten — eine konfrontative Ideologie, die auf Ausmerzung des Gegners zielt.
Als Caesar bei einer Attacke der Menschen seine Familie verliert, sucht er Rache und wagt sich mit einem Himmelfahrtskommando hinter die Linien des Gegners. Unterdessen wählt der verbliebene Affenstamm den Exodus. Hinter der nahen Wüste soll fruchtbares Land liegen.
Im Zeichen der gegenwärtigen Kino-Verfranchisung ist »Planet der Affen« ein Glücksfall — zumindest für Freunde eines Science-Fiction-Kinos, das sein Publikum nicht für blöde hält. Folgte auf den soliden ersten Teil ein sehr guter zweiter, wächst sich die Saga im dritten Teil nun endgültig zum großen Epos aus — Blockbusterkino für Erwachsene mit einem Rest Affenliebe aus Jugendtagen.
Regisseur Matt Reeves und sein Team stellen Atmosphäre über Action und die Spezialeffekte stets in den Dienst der Geschichte. Zudem nimmt sich der Film viel Zeit zur Erkundung seiner faszinierenden Erzählwelt. »Planet der Affen: Survival« wirkt, als ginge es darum, die Tugenden des düster-epischen Science-Fiction-Films der 70er Jahre unter den Bedingungen des gegenwärtigen Blockbuster-Kinos wiederaufzugreifen.
Das zahlt sich aus. »Planet der Affen: Survival« ist mitreißend, tragisch, intensiv und sehr spannend. Und die Düsternis des Films scheint sich direkt aus der gegenwärtigen weltpolitischen Lage zu speisen. Das an Shakespeare erinnernde Drama des zweiten Teils wandelt sich im dritten zu einer Geschichte alttestamentarischen Ingrimms.
Planet der Affen: Survival (War for the Planet of the Apes) USA 2017, R: Matt Reeves, D: Andy Serkis, Woody Harrelson, Steve Zahn, 140 Min.