A Ghost Story

Mit Bedacht und Tiefe erzählt David Lowery eine Geistergeschichte über Tod und Trauer

Nachwuchsregisseure neigen bekanntlich dazu, die Aufmerksamkeit einer breiteren Öffentlichkeit mit effektheischender Extravaganz einzufordern. Dass es auch anders geht und gerade ein leiser Ton weitaus nachhaltiger sein kann, bewies der Texaner David Lowery in seiner noch jungen Karriere. Nachdem er sein elegisches Crime-Requiem »Ain’t Them Bodies Saints« mit dem Geist des frühen Terrence Malick beseelt hatte, bewies er im vergangenen Jahr mit der Disney-Produktion »Elliot, der Drache«, dass selbst das sonst so auf Überwältigung gepolte Fantasy-Genre seine unerwartet intimen Momente haben kann. Nämlich genau dann, wenn ein bedacht agierender Erzähler das Genre zu mehr als einem reinen Effekt-Showreel nutzt.

 

Mit seinem Low-Fi-Fantasy-Drama »A Ghost Story« erzählt er nun eine Geistergeschichte aus der Perspektive des Geists. Als solcher irrt ein verstorbener Musiker (Casey Affleck) wie eine Emo-Version von Hui Buh durch sein einstiges Heim im texanischen Nirgendwo und wacht über seine Witwe (Rooney Mara) und ihren Weg aus der Trauer zurück ins Leben. Die Angst, dass es sich dabei lediglich um eine vernuschelte Indie-Variante von »Ghost — Nachricht von Sam« handelt, verschwindet recht schnell. Mara und Affleck, deren Starpower das verschrobene Projekt überhaupt erst ermöglicht hat, verschwinden überraschend schnell aus ihrer eigenen Geschichte und der Löwenanteil der Erzählung widmet sich mutigerweise den Irrwegen eines melancholisch dahinschwebenden Bettlakens und seiner Unfähigkeit zum Loslassen von der Welt. Statt sich in der vermeintlichen Pfiffigkeit einer skurrilen Ausgangssituation zu gefallen, wird das Szenario hier konsequent weitergedacht. Diese Konsequenz rückt die Geistermär im Schlussakt zwar in die Nähe zum Thesenstück, verliert dabei aber nicht ihr emotionales Zentrum aus dem Blick. 

 

Der hypnotisch langsame Schnitt, mit dem Lowery die Täler der Trauer ausmisst, bürstet die auf Hektik und Attraktion geeichten Sehgewohnheiten des Publikums heftig gegen den Strich und zwingt dem Betrachter zu einer Entschleunigung, die so mancher (vielleicht zu Recht) als Provokation auffassen wird. Wer sich überwindet und das Experiment der Langsamkeit wagt, wird mit einer 90-minütigen Meditation über den Tod, die Trauer und die universelle Vergänglichkeit belohnt, die weit über die Dauer des Films hinweg tragen kann. An diesem Gewinn bemessen wirkt die kleine Geduldsübung, die Lowery dem Publikum auferlegt, mehr als-- -lohnend.

 

 

(dto) USA 2017 R: David Lowery D: Rooney Mara, Casey Afflect,Will Oldham, 92 Min., Start: 7.12.