Zur Sonnenblume
Es ist hell in der Sonnenblume. Sehr hell. Eisdielenhell, könnte man sagen. Überhaupt erinnert das Etablissement ein wenig an eine Eisdiele der 80er Jahre. Nur eben mit vegetarischem Essen. Obschon man hier gar nicht unbedingt essen sollte. Sagt zumindest die Inhaberin, Bedienung und Köchin, die das auch gleich argumentativ untermauert: Sie interessiere sich für die Lehre des Breatharianismus, laut der man sich ausschließlich von Licht ernähren kann. So gesehen sei herkömmliches Essen nebensächlich.
Das merkt man bald nach der Bestellung: Das nicht gerade günstige vegetarische Cordon-Bleu (mit Bratkartoffeln 12,50 Euro) ist ein zu stark gebratenes Stück Tofu, mit Käse überbacken und Béchamelsauce. Die Reis-Apfel-Bratlinge (9,50 Euro) sind ganz in Ordnung, aber die Pflaumen-Rahmsauce schmeckt angebrannt und das »frische Gemüse« erinnert an Dosenkost.
Pluspunkte für das Interieur: Einem verbreiteten Irrglauben zufolge, ist kitschige Dekoration einfach zu erreichen. Hier aber steckt harte Arbeit dahinter. Die ausgeschnittenen Tapeten-Rosen an als Wandschmuck sind mit Blüten aus Papierservietten optimiert, ein Styropor-Rahmen umspielt das wahnwitzige Fantasy-Gemälde mit den weißen Pferden am Strand. Der ideale Ort für ein erstes Date – ob der geballten Skurrilität bleibt keine Zeit für eigene Unsicherheiten (Kölsch 2,80 Euro/0,4l!). Eine gute Adresse für die nicht eben verwöhnte Kölner Vegetarierschaft ist diese Neueröffnung leider nicht.