Heinrich Pachl (1943-2012) — auf der Schildergasse Mitte der 70er Jahre | Foto: Manfred Wegener

Kabarett als ­Erkenntnis

Der Kölner Kabarettist Heinrich Pachl ist am 21.?April gestorben

 

»Der Heinrich ist tot! Gestern gestorben!« Ein Anruf am Sonntagmorgen. In einer Stunde hätte Heinrich Pachl bei der WDR-5-Matinee »Brettlspitzen« im Theater am Dom auftreten sollen. Noch wenige Tage zuvor war über die Details des Auftritts gesprochen worden. Heinrich kommt — auf jeden Fall.

 

Das war der Pachl: Er hat sich nicht unterkriegen lassen von seiner Krankheit, die ihm vor rund zehn Jahren diagnostiziert wurde. Bis zuletzt. Es war ein streitbarer Geist, der ihn antrieb, der ihn am Leben hielt. Pachl stritt und hinterfragte alles, ging den Dingen auf den Grund, er setzte sich für alles und jeden ein, wenn er befand, dass es richtig und nötig war.

 

Preise und perfektes Chaos

 

Geboren wurde Heinrich Pachl 1943 im badischen Nordrach. Anfang der 70er Jahre gründete er die freie Theatergruppe »Der wahre Anton«, ein satirisches Theater, über das Pachl auch den Weg zum Kabarett fand. 1982 erhielt er für sein Duo mit Richard Rogler den Deutschen Kleinkunstpreis. Weitere Duos folgten: mit dem unvergessenen Matthias Beltz und mit Arnulf Rating.

 

1990 gab es den legendären »Reichspolterabend«: Neben Beltz und Rating waren Horst Schroth und Achim Konejung mit von der Partie. Diese herrliche, fast anarchische Performance brachte fünf Freunde auf die Bühne, die sich gegenseitig mit immer neuen Einfällen beflügelten. Ein derart professionelles Chaos habe ich weder vorher noch nachher irgendwo gesehen. Der letzte »Reichspolterabend« war 1994, danach spielte Pachl acht Soloprogramme. Er war ein Suchender, der seine Kunst immer unter das Primat der Erkenntnis stellte. Er machte nicht Kabarett, um Geld zu verdienen.

 

Er machte Kabarett, um aufzuklären und verdiente Geld damit. Außerdem war er Filmemacher. Immer wieder hat er in Köln zum Klüngel recherchiert, hat die Menschen seiner Wahlheimat beobachtet. Für den Film »Homo Blech« erhielt er den begehrten Adolf-Grimme-Preis.

 

Engegament und Nächstenliebe

 

Mit der »Nippeser Baggerwehr« leistete er Widerstand gegen den Ausbau Kölns zur autogerechten Stadt. Als 2002 wieder einmal Personen für die Kölner Ehrenbürgerschaft ausgeklüngelt wurden, die Pachl gar nicht so verdienstvoll fand, erfand er die Alternative Kölner Ehrenbürgerschaft. Die Ehrenbürgerschaft gebühre denen, die sich um die Stadt verdient gemacht haben, nicht denen, die an ihr verdienen, sagte Pachl.

 

Es sei noch erwähnt, dass Pachl Theaterstücke schrieb, Regie führte und vor allem als engagierter Redner gefragt war. Am 1. Mai waren die Kundgebungen seine Bühne. Am 1.?Mai dieses Jahres fand die Trauerfeier für Heinrich Pachl in der Nippeser Kulturkirche statt. Kölner Obdachlose haben 150 Euro für eine Initiative Heinrich Pachls überwiesen — das sagt so viel über diesen Mann, der die Menschen liebte.