Willkommen im Club: das neue Vereinsheim des RSV Urbach | Foto: Manfred Wegener

Neidisch auf Porz

Der RSV Urbach hat ein neues Vereinsheim —

das weckt bei anderen Fußball­klubs Begehrlichkeiten

 

Wenn Birgit Tönnesen das Vereinsheim des RSV Urbach aufschließt, huscht ein Lächeln über ihr Gesicht. »Ich freue mich immer noch wie ein Kind, wenn ich hier morgens ankomme«, sagt die Bewirtschafterin jenes Gebäudes, für das der Stadtteilverein aus Porz in der gesamten Kölner Fußballszene beneidet wird.

 

Rund 620.000 Euro hat das zweistöckige Haus mit seinen vier Umkleiden, den Duschen und Toilettenanlagen sowie einem Jugendraum und zwei Büros gekostet. Geld, das ein Verein wie der RSV Urbach mit seinen 600 Mitgliedern nie hätte aufbringen können. Doch die Urbacher schlugen zu, als im Januar 2009 das Konjunkturpaket II des Bundes auf den Weg gebracht wurde. Zehn Milliarden Euro wurden bundesweit zur Verfügung gestellt, um die Bauwirtschaft anzukurbeln und Arbeitsplätze zu erhalten. 

 

Köln bekam damals rund 100 Millionen Euro. Davon flossen 14 Millionen in die Förderung von Sportstätten-Baumaßnahmen. Stadtweit wurde damit begonnen, sechs Ascheplätze in Kunstrasenanlagen umzuwandeln. Auf der Agenda stand auch der Neubau eines Sportinternates in Müngersdorf. Der Olympiastützpunkt, die Basketballer von den 99ers, und die Eishockeyabteilung der Kölner Haie hatten dort bereits seit drei Jahren Räume gemietet und unter beengten Verhältnissen gearbeitet. Nun konnte das Internat zu 87,5 Prozent mit Geld des Bundes finanziert werden. Der Bau war im Herbst 2011 fertig.

 

Und dann eben die Vereinsheime: Der RSV Urbach schloss sich mit sieben Kölner Vereinen, unterstützt vom Sportamt, zum Arbeitskreis »Kostengünstiges Bauen« zusammen. Sportamtsleiter Dieter Sanden half bei der Suche nach kostengünstigen Bau- und Finanzierungsmodellen. Schließlich mussten die Vereine zusätzlich noch 50.000 bis 100.000 Euro Eigenkapital aufbringen. Sanden trieb auch ein persönliches Interesse an, er ist Mitglied des RSV Urbach. 

 

Der RSV Urbach musste sogar rund 122.000 Euro auftreiben. Für den ehrenamtlich geführten Verein eine riesige Belastung. Denn als Bauherr war man für fast alles selbst verantwortlich. »Wir haben damals begonnen, von jedem Vereinsmitglied einen zusätzlichen monatlichen ›Umlagebetrag‹ einzuziehen, den wir auf ein Baukonto eingezahlt haben«, sagt RSV-Vorsitzender Norbert Pluchino. »Damit hatten wir dann einen Betrag angespart, mit dem wir letztlich die Finanzierung gestemmt haben.« 

 

Ein erfolgreiches Projekt — das allerdings auch Begehrlichkeiten weckt. Denn so ein Vereinsheim, wie Birgit Tönnesen es jeden Morgen aufschließt, möchten andere Vereine in Köln jetzt auch bekommen. »Es wird Zeit für ein neues Konjunkturpaket«, fordert unterdessen Oberbürgermeister Jürgen Roters (SPD). Die Zustimmung der Kölner Sportvereine, die bislang leer ausgegangen sind, dürften ihm sicher sein.