Von einer Flaniermeile immer noch weit entfernt: Bahnbögen an der Hüttenstraße | Foto: Manfred Wegener

Die sieben ­Hügel von ­Ehrenfeld

Stadt, Bahn und Pächter wollen aufräumen und so

den Umbau der Bahnbögen endlich vorantreiben

 

Aufräumen will man. Müll und Graffiti beseitigen, Fahrradleichen beerdigen, Fahrradstellplätze schaffen, eine bessere Beleuchtung installieren. Das ist das Ergebnis der Bahnhofskonferenz, zu der der Ehrenfelder Bezirksbürgermeister Josef Wirges und Oberbürgermeister Jürgen Roters (SPD) im April alle Beteiligten an einen Tisch riefen, um die seit acht Jahren währende Baustelle »Bahnbögen Ehrenfeld« anzugehen. Daran nahmen neben Politik, Stadtverwaltung und KVB auch die beiden Hauptakteure Platz: Vertreter der DB-Netz als Vermieterin, und die Bahnbögen GmbH als Pächter. 

 

Anfang vom Ende einer jahrelangen Baustelle?

 

»Es sind zunächst Sofortmaßnahmen, die schon alleine der Sicherheit wegen sein müssen«, erklärt Wirges. Und es sei etwas fürs Auge, die »sieben Berge von Ehrenfeld«, wie Wirges die Hügel aus Bauschutt und Müll an den Bahnbögen nennt, müssten schließlich endlich abgearbeitet werden.

 

Zum Interviewtermin erscheint er mit leichter Verspätung: Gemeinsam mit Bahnvertretern und Ordnungsamt hatte er den Ort in Augenschein genommen, an dem eigentlich städtebauliche Visionen verwirklicht werden sollen. Bisher sieht es in den Bahnbögen—abgesehen vom Club Bahnhof Ehrenfeld — aber immer noch nicht danach aus. 

 

Die Idee besticht durchaus: Eine Flaniermeile mit Kneipen, Restaurants, Kleinkunst und Einzelhandel — die Pläne an den Zimmerwänden der Bahnbögen GmbH für die Gewölbe unter der Bahntrasse entlang der Bartholomäus-Schink-Straße sehen klasse aus. »Interessenten sind da«, bestätigt Stefan Rüberg von der Bahnbögen GmbH. Nur blieb es bisher eben vor allem bei der Vision, die Umsetzung läuft, gelinde ausgedrückt, schleppend. Ob da eine Aufräum-Aktion Schwung reinbringen kann?

 

Vision Flaniermeile stagniert

 

Das Signal der Politik ist jedenfalls eindeutig: Man will endlich Fortschritte sehen. Seit nunmehr acht Jahren kommt das Projekt nicht recht vom Fleck, das Ziel längst nicht in Reichweite. »Wir machen jetzt Druck, nun ist Schluss mit lustig«, sagt Wirges. Für die Bürger sicherlich ein wichtiges Signal. 

 

Dass es mit den Aufräum-Arbeiten aber nicht getan ist, zeigt der Besuch bei Sabine Neumeyer: Wasser tropft von der Decke in Bahnbogen Nummer 33. Große, schwarze Eimer fangen es auf. Seit vier Jahren ist Neumeyer Mieterin eines Bogens in der Bartholomäus-Schink-Straße. Eine Bar soll ihre »Linie 7« werden, mit Bühne für Kleinkunst samt Außengastronomie. Zur Fußball-EM will sie bereits den Außenbereich öffnen, bis Mitte des Sommers dann die ganze Bar.

 

Angesichts der Baustelle im Inneren ihres Bogens klingt das ambitioniert, nicht nur, weil es von oben tropft. Dort, wo einmal die Toiletten hinkommen sollen, gähnen heute nur tiefe Löcher, es ist kalt und feucht. Für Mieterin Neumeyer ist das Wasser der Hauptgrund dafür, warum ihre Pläne noch immer stagnieren. Und das Wasserproblem betrifft sämtliche Bahnbögen.

 

Im Club Bahnhof Ehrenfeld wurde das Wasser mithilfe von Aluverschalungen gedeckelt und kontrolliert abgeleitet. Eine Maßnahme, die nicht nur aufwendig ist, sondern auch teuer — um die sich der Vermieter, die Bahnbögen GmbH, wie beim Musterbogen Club Bahnhof Ehrenfeld aber kümmern will. Eine teure Aufgabe. Ob man das für alle Bögen stemmen kann? Die Bahnbögen GmbH will sich hierzu noch nicht konkret äußern.

 

Die Bahn lässt's plätschern

 

 »Wir haben den Glauben an die Sache verloren, sehen das Gesamtkonzept nicht mehr«, sagt Wirges. Für ihn ist es inzwischen auch eine Frage der Glaubwürdigkeit: »Das Tischtuch ist zwar noch nicht zerschnitten, aber angeschnitten.« Auch die Eigentümerin Deutsche Bahn kritisiert Wirges. Bei der Bahnhofskonferenz fehlten die Entscheidungsträger. »Es kann nicht sein, dass der wichtigste Akteur nicht dabei ist.«

 

Auch bei der Umsetzung der Sofortmaßnahmen mache es ihm die Bahn nicht leicht: Bei jedem Riss in einer Wand sei bei der gemeinsamen Begehung die Zuständigkeitsfrage gestellt worden. »Die DB ist das negativste Beispiel einer Privatisierung«, sagt Wirges. 

 

Mitte September will man wieder in großer Runde zusammenkommen, um bezüglich der Aufräumarbeiten Bilanz zu ziehen. Und um nächste Schritte bezüglich der Vermarktungsfrage vorzubereiten. Gerne im Beisein der zuständigen Entscheidungsträger der Bahn. Ob das Tischtuch wieder geflickt werden kann? Sabine Neumeyers Linie 7 wäre es zu wünschen.