Die Stadt bestimmt die Spielregeln
In Bremen war er der Wunschkandidat der Grünen, in Köln wurde er von der CDU vorgeschlagen. Der neue Kölner Baudezernent Franz Josef Höing ist offenbar ein Fachmann, an dem keine Partei vorbeikommt. Aus Sicht des früheren Bremer Senatsbaudirektors gab es keine andere Möglichkeit, als sich für den Posten am Rhein zu bewerben: »Wenn man Lust an der Gestaltung einer Großstadt hat, kommt man an so einer Stelle nicht vorbei.«
Ist das also der Beginn einer wunderbaren Freundschaft? Noch fehlt dem 47-Jährigen, der am 13. August seinen Dienst antritt, der Überblick über die stadtplanerischen Themen in Köln. Natürlich nennt Höing Stichworte wie Masterplan, Stadt am Fluss oder Grüngürtel, aber als frisch gewählter Dezernent will er sich erst einmal einarbeiten. Also sprechen wir über Bremen (wo auch der Autor einige Jahre gelebt hat) — und hoffen, dass sich einiges auf Köln übertragen lässt.
Erfahrung mit diversen Wohnungsbauprogrammen
Köln braucht Wohnungen und zwar bezahlbare. Höing kennt das Problem nur zu gut, weil sich Bremen teilweise aus der Wohnungsbauförderung zurückgezogen hat. Um das Manko auszugleichen, wurde mit verschiedenen Modellen experimentiert: Höing leitete zum Beispiel eine städtische Immobilien-Kommission, die festlegte, »welche stadträumlich relevanten Grundstücke nach welchen Kriterien vergeben werden«.
Im Gespräch war auch das »Münchner Modell«, nach dem städtische Grundstücke zu ermäßigten Preisen an private Bauherren vergeben werden. Und die Bremer Wohnungsbaugesellschaft hat schließlich das Programm »Ungewöhnlich Wohnen« aufgelegt, in dem es auch um preisgünstiges Wohnen ging. Höing weiß aber auch, dass Investoren meinen, Rendite nur mit hochpreisigen Wohnungen erzielen zu können.
Und so fällt in seine Zeit auch der Bau eines vornehmen Wohnkomplexes auf der Flussinsel Stadtwerder. Stadtentwicklung ohne Investoren sei nicht möglich, sagt Höing. Er plädiert aber für eine starke kommunale Position: »Ich bin dafür, dass eine Stadt sehr selbstbewusst die Spielregeln bestimmt und sagt, was sie will.«
Lebenslauf zwischen Lehre und Projektarbeit
Für einen Verwaltungsfachmann verfügt Franz Josef Höing über einen untypischen Lebenslauf: Der gebürtige Westfale hat zunächst in Dortmund Raumplanung studiert und arbeitete dann im Raumplanungsbüro Zlonicky/Wachten/Ebert, lehrte aber gleichzeitig am Wiener Universitäts-Institut für Städtebau und Raumplanung.
Ab Mai 2000 arbeitete er als persönlicher Referent für den Hamburger Oberbaudirektor Jörn Walter und leitete später die Projektgruppe HafenCity. Nach vier Jahren wechselte er als Professor für Städtebau an der Münster School of Architecture wieder in die Lehre, um dann 2008 in Bremen Senatsbaudirektor zu werden.
Ist dieser Zickzackkurs Unentschiedenheit oder Kalkül? »Ich bin kein Karrierist, der schon weiß, was er morgen macht«, sagt Höing bestimmt. Er schätze den unterschiedlichen Blick und ein Verständnis für die verschiedenen Akteure in der Stadt. Hört man sich in Bremen um, wird der frühere Senatsbaudirektor vor allem für die daraus resultierende Gesprächskultur gelobt. Er gehe offen auf Leute zu, sagt Höing über sich, und er hoffe, auch in Köln die richtige Ansprache zu finden.
Bürgerbeteilung? »Kein Wunschkonzert daraus machen«
Wer derart das Gespräch sucht, sollte auch ein Freund von Bürgerbeteiligung sein. Doch Höing ist eher genervt vom Partizipationshype und warnt: Bürgerbeteiligung sei keine Alibiveranstaltung, bei der man sich fertige Plänen vom Bürger absegnen lasse. Und sie sei auch kein Mittel, um Harmonie zu erzeugen. Man müsse eher Lust an der Konfrontation haben.
»Stadt und Verwaltung sind gut beraten, auf die Bürger zuzugehen, aber daraus kein Wunschkonzert zu machen, sondern klarzustellen, wer welche Rolle hat«, sagt Höing. Wichtig sei der Zeitpunkt, ab dem Bürger beteiligt werden. Beim Bremer Innenstadt-Viertel Hulsberg, einem ehemaligen Klinikgelände, das zum Wohngebiet umgewandelt wird, hatte der frühere Senatsbaudirektor die Bewohner schon bei den allerersten Schritten einbezogen.
Architektur für Alltagsbauten
Zum Schluss kommt das Gespräch auf eines von Höings Lieblingsthemen: die Standardbauten der Stadt. »Es ist mir sehr wichtig, nicht nur auf die vermeintlichen Leuchttürme zu schauen, sondern auch die Alltagsaufgaben mit einer Verfahrenskultur und einer Architektur-Qualität zu versehen«, sagt Höing.
In Bremen hat er eine Baumarktkette angesichts der wichtigen stadträumlichen Lage einer Filiale zu einem Architektur-Wettbewerb überredet. »Die haben sich darauf eingelassen«, sagt er stolz, und nun besitze Bremen einen »architektonischen Ferrari«. Da dürfte Höing auch in seiner neuen Heimat fündig werden, und ein paar bauliche Boliden täten nicht nur der Innenstadt ganz gut.