Nachtisch: Hilfe, meine Ohren essen mit!
Nehmt den Gastronomen die »Café del Mar«-Compilations weg! Und die totgenudelten Bossa-Nova-Versionen von 80er-Jahre-Hits gleich dazu! Und ich will auch bitte nie mehr »Die vier Jahreszeiten« in einem Spitzenrestaurant hören! Es gibt so viel gute Musik, doch das, womit die meisten Betreiber von Restaurants, Cafés und Kneipen ihre Gäste bedudeln, entspricht kulinarisch geschmacksneutralem Fast-Food.
Nur Drei-Sterne-Köche sind in der Lage, unsere Sinne vollständig in Beschlag zu nehmen. Nur dann ist alles andere als das Essen Nebensache. Doch die allerwenigsten Gastronomien servieren nun mal Spitzenküche. Und so beruht ein angenehmer Aufenthalt in den meisten Restaurants eben auf mehr, als bloß einem guten Kotelett oder Couscous-Salat.
Clevere Gastronomen wissen das. Sie lassen sich von Fachleuten beraten. Die haben schließlich einen besseren Blick für Design und gut gesetztes Licht. So erklärt sich übrigens auch, dass einige Restaurants gut besucht sind, obwohl deren Küche gar nicht gut ist. Manchmal reichen dort frische Blumen auf dem Tisch, um die weniger frische Gemüsebeilage besser erscheinen zu lassen.
Nur bei der Musik vertrauen Gastronomen sich selbst — und damit allzu oft akustischer Schonkost aus den Charts oder dem Lokalradio samt Verkehrshinweisen. Das ist nicht nur ein Problem im unteren Preissegment, sondern auch dort, wo man ambitioniert kocht. Statt Best-of-Classic könnte man im Spitzenrestaurant auch mal Telemanns »Tafelmusik« oder die Orchestersinfonien von Carl Philipp Emanuel Bach laufen lassen. Und für ein Weinlokal gibt es wirklich besseren Jazz als den von Till Brönner.
In einer kleinbürgerlichen Kneipe in der Südstadt habe ich neulich Schlager hören müssen. Endlos ging’s um Liebe, die nicht klappt, und Urlaub unter Palmen. Aber das war ein grandioser Soundtrack zu zwei mittelmäßigen Frikadellchen und vielen gut gezapften Kölsch. Und es hatte mehr Stil als das belanglose House-Wummern in so vielen Bars, die sich so modern und großstädtisch wähnen.