Foto: Manfred Wegener

Stiefel

50674 Köln, Neustadt-Süd, Zülpicher Straße 18, Ö: 19–1, Sa/So bis 3

Acht Monate war das Studentenkneipen-Urgestein geschlossen. Seit August aber hat eine der letzten Bastionen wider die Happy-Hourisierung der Zülpicher Straße mit neuem Pächter endlich wieder seine Türen und Fenster geöffnet.

 

Am Punkrock-Look wurde nichts verändert, die Wände sind immer noch unverputzt, Edding-Kritzeleien und Aufkleber auf vormals weißen Kacheln sowie einfache Holztische und -stühle prägen das Bild. Das Kölsch kommt von Gaffel und kostet 1,40?€. Auch Fußball wird noch geschaut (jetzt sogar auf einem weiteren Fernseher an der Theke), nach wie vor versammeln sich dabei vor allem Fans des schwarz-weiß-grünen FC-Konkurrenten vom Niederrhein. Der Billardtisch ist weg, wo einst Jumpshots und Nachläufer geübt wurden, soll nun getanzt werden.

 

Alles prima? Nein. Für ein Bierchen zwischendurch ist das hier immer noch okay, aber der Laden wirkt nicht mehr so charmant wie ehedem. Das liegt vor allem an der Musik und dem Habitus. Am Wochenende ist jetzt ein DJ da, der zumindest bei unserem Besuch furchtbarsten R’n’B und Kneipen-Muzak auflegte. Das geht vielleicht irgendwo auf den Ringen — aber doch nicht hier! Wer neu in Köln ist, wird womöglich denken: »Okay, die Musik... aber irgendwie ein charmanter Laden, kann man mal hingehen.« Für ehemalige »Stiefel«-Stammgäste aber bricht eine Ausgehoption im Kwartier Latäng weg. Oder hat sich einfach nur der Geschmack der Studenten geändert?