Passt schon!
Lustig lässt sich darüber streiten, welcher Wein idealerweise eine Mahlzeit begleitet: Unterstützt jener Sangiovese mit seinen erdigen Aromen diesen Wildschweinbraten? Setzt die Mineralität dieses Schiefer-Rieslings ein Gegengewicht zur pikanten Süße jenes Thai-Currys? — Es wäre falsch, solche Überlegungen als zügellose Verfeinerung abzutun und sie den Feierabend-Snobs zu überlassen. Wer zu schmecken gelernt hat, kann durch das Wechselspiel von Wein und Speisen Erstaunliches erfahren. Deshalb lohnen sich in der gehobenen Küche die Degustationsmenüs.
Trotzdem: Je nach Situation am Tisch ist es selbst in besseren Restaurants ratsam, zum Essen lieber gute einfache Weine zu trinken und sich die charaktervollen Brummer als Nachtisch kommen zu lassen. Wer anders denkt, mag sich vergegenwärtigen, wie er im Restaurant tatsächlich Wein und Mahlzeit kombiniert: Wie oft greift man zum Glas und setzt diesen Schluck bewusst ins Verhältnis zu dem, was auf der Gabel ist? Hat man denn im Gespräch mit der Begleitung überhaupt Gelegenheit, darauf zu achten, wie die Aromen der Vorspeise mit dem Schmelz des Silvaner Kabinetts und seinen leichten Noten von gelbem Sommerobst in Dialog treten? Es ist nicht banausenhaft, zieht man bei derartigen genusstheoretischen Höhenflügen die Reißleine: weil sie nicht zur Praxis passen. Ich behaupte, dass die meisten gängigen Weine zu den meisten gängigen Gerichten passen. Und wenn man Shiraz zur Scholle bestellt, wird der Kellner einem schon einen Vogel zeigen.
Viel sinnvoller erscheint es mir, bei der Weinbestellung der Neugierde zu folgen und unterschiedliche Offene zu ordern. Wann hat man sonst Gelegenheit, an einem Abend fünf, sechs unterschiedliche Weine kennenzulernen? Wenn man die billigen, mit Eiche- und Vanillearomen vollgepumpten Rioja-Plörren umkurvt, kann nicht viel schiefgehen.
Und zum Finale dann ein fachkundig gezapftes Kölsch, das passt übrigens zu jedem Gericht. Wissen auch Weinkenner.