Foto: Annette Etges

Liebesschlosserei: die Hohenzollernbrücke

Paare das Ja-Wort geben, tun sie es ein paar Meter weiter zu Tausenden. Seit 2008 schließen Menschen jedes Alters, jeder Religion und jeder sexuellen Orientierung auf der Hohenzollernbrücke ihren Bund fürs Leben. Und ein Vorhängeschloss an das nüchterne Draht-gitter der deutschen Bahn.

 

Kölner Brückenpassanten müssen nun lernen, mit dieser Verkehrsbehinderung umzugehen. Gerade jetzt im Frühling ist der Andrang derer, die ihre Schloss gewordene Liebe anketten, besonders groß. Beim Überqueren der Brücke gilt es daher, die Augen offen zu halten, damit man nicht aus Versehen mit dem Fahrrad eine Quasi-Hochzeit auseinandernimmt. Das Schloss ist der neue Ehering, die Brücke die neue Kirche. Dass die Liebe allerdings mit einem Schloss verriegelt und der Schlüssel weggeworfen wird, ist ein Symbol, das nicht nur zweitklassige Comedians eher mit lebenslänglicher Freiheitsstrafe assoziieren als mit ausge-wogener Partnerschaft.

 

Aber so ist das mit Brauchtum, es ist oft kryptisch. Auch die Herkunft der Liebesschlösser-Tradition ist unklar. Ausgangspunkt scheint wie beim katholischen Ehegelübde die Ewige Stadt Rom zu sein. Heute gibt es sie in vielen Städten, und deshalb auch einen florierenden Markt dafür. Lebenslängliche Liebe bekommt man schon ab 9,90 Euro — inklusive Gravur. Ein Markt, der auch Schwarzmarkt-Potenzial bietet. Ein Kölner Kleinkrimineller knackte vor einigen Monaten Liebesbeweise in der Hoffnung, Geld fürs Alt-metall zu bekommen. Stattdessen bekam er allerdings ein Urteil des Amtsgerichtes, das befand, die Einzigen, die die Schlösser knacken dürften, seien die Stadt, die Deutsche Bahn — oder ihre Besitzer.