Alle warten auf seine Grundsatzrede — Marc-Jan Eumann beim Medienforum, Foto: Manfred Wegener

Brisantes Jubiläum

Im Juni findet zum 25. Mal das Medienforum NRW statt. Das Programm birgt politischen Zündstoff

1989 startete das Medienforum NRW in Dortmund. Doch Medien und Dortmund, das passte schon damals nicht zusammen. So siedelte die Veranstaltungsreihe der Landesanstalt für Medien, traditionell großzügig mitfinanziert vom Land NRW, schon ein Jahr später nach Köln um, wo man am 5.-7. Juni dieses Jahres das 25. Jubiläum feiert. Das Jubiläumsjahr bringt einige Änderungen mit sich: Das Medienforum soll gesundgeschrumpft werden, um wieder an seine besten Zeiten anzuknüpfen. Zwar konnte es im vergangenen Jahr mit 3400 Fachbesuchern, fünfzig Veranstaltungen und 260 Referenten beeindruckende Zahlen vorlegen, aber mit der Relevanz haperte es zunehmend: Viele Veranstaltungen waren schlecht besucht, die Diskussionen fade und die Referenten wenig spektakulär. Die Landesregierung, so hört man aus deren Kreisen, war unzufrieden: Das Medienforum habe nur noch regionale Bedeutung, wichtige Akteure der bundesdeutschen Medienszene träfen sich lieber auf den Medientagen in München oder der Medienwoche in Berlin. Doch nun plant man mit ausgesuchtem Programm den Wiederaufstieg Kölns: Im Jubiläumsjahr setzt das Medienforum auf prominente Redner, es soll höchstens zwei Veranstaltungen zeitgleich geben. Die Landesregierung rechnet denn auch nur mit 800 Gästen — bei einer Förderung von 900.000 Euro liegen dann fast tausend Euro Steuergelder auf jedem Besucherstuhl. Auch bei den Räumlichkeiten hat man abgespeckt: Fand das Medienforum vergangenes Jahr noch im Staatenhaus auf dem Messegelände statt, zieht man dieses Jahr an den Hildeboldplatz ins Gerling-Quartier, immerhin das neue Renommier-Veedel der Stadt.

 

Mindestens zwei Auftritte werden dort mit Sicherheit für Aufmerksamkeit sorgen. Ministerpräsidentin Hannelore Kraft (SPD) hat eine medienpolitische Grundsatzrede angekündigt. Ihre bislang letzte, die sie 2011 ebenfalls auf dem Medienforum hielt, sorgt bis heute für Diskussionen: Kraft forderte damals, die öffentlich-rechtlichen Sender sollten auf Werbeeinnahmen verzichten, und kündigte eine Initiative der Landesregierung zur Unterstützung des Lokaljournalismus an. Mit der Umsetzung ist Medienstaatssekretär Marc-Jan Eumann befasst, der ebenfalls auf den Forum auftreten wird. Eumann will eine Stiftung aufbauen, die vor allem die Weiterbildung von Lokaljournalisten finanzieren soll. Das Geld dafür soll das aus den Mitteln der »Haushaltsabgabe«, wie die Rundfunkgebühr neuerdings heißt, kommen. Bei der Landesanstalt für Medien hält sich die Begeisterung für diese Idee in Grenzen, weil das Geld aus ihrem Etat abgezweigt werden soll. Die Fortbildungen soll das Institut für Journalistik der TU Dortmund organisieren — jene Universität also, an der Eumann mit einer Arbeit promovierte, die zumindest in Teilen auf seiner Magisterarbeit beruhen soll und zurzeit von einer Kommission auf ihre Wissenschaftlichkeit hin untersucht wird.

 

Doch nicht nur der Filz-Verdacht belastet die Idee der Stiftung. Journalisten wie Reiner ­Burger, NRW-Korrespondent der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, sehen in der Stiftung einen Einstieg in eine öffentlich-rechtliche Presselandschaft: »Der SPD-Medienpolitiker Marc Jan Eumann hat einen großen Plan: Er will mit der Rundfunkgebühr die Presse finanzieren.« Eine öffentlich-rechtliche Presse wäre für Politiker ideal, hätten sie und ihre Helfershelfer dann über diverse Gremien denselben Einfluss auf die Zeitungen, Magazine und Online-Angebote der Verlage wie momentan auf den öffentlich-rechtlichen Rundfunk. Eine Gefahr für die Unabhängigkeit der Presse, zumal sich die wirtschaftliche Situation vieler Medienhäuser in Deutschland verschlechtert. So könnte die Bereitschaft in den kommenden Jahren steigen, Geld aus dem Gebührentopf anzunehmen.

 

Auf dem Medienforum werden Kraft und Eumann ihre Vorstellungen zur künftigen Entwicklung der Medien präzisieren. Gut möglich, dass sie weitere Ideen präsentieren, wie man Verlage mit dem süßen Gift der Zuschüsse in Medienanstalten verwandeln kann. Der FAZ sagte Eumann: »Wir müssen uns Gedanken machen, wie wir den Strukturwandel bei der Finanzierung der Herstellung der Öffentlichkeit, der sich gerade vollzieht, gesellschaftlich begleiten.« Und er wird sicher einen Weg finden, dass die Politik der Gewinner des Wandels sein wird.