Zum Glück ist der Pelzmäntel nicht braun: Szene vom Christopher Street Day, Foto: Arndt Gerken

Braune ­Mit­läufer auf pinker Parade

Erst wollten sie am CSD teilnehmen, dann doch nicht. Pro Köln hat es wieder in die Medien geschafft

Das schwule Pro-Köln-Mitglied Michael Gabel legt großen Wert darauf, seine Mitmenschen an seinem Sexualleben teilhaben zu lassen. »Ich ficke jeden Tag«, verkündete er Anfang des Jahres auf einer Demonstration. Gabel, ein Schauspieler mit eher überschaubarem Erfolg (Gerichtsmediziner Dr. Michael Hohlbein in der Sat-1-Pseudo-Doku »Niedrig & Kuhnt«) ist der Vorzeigeschwule von Pro Köln. Minderheitenvertreter hat die Partei mehrere: Etwa Emanuel Maragoto Silva oder den Schwarzen Martin Saccoh, die belegen sollen, dass Pro NRW, Pro Köln und Pro Deutschland sind, was sie zu sein vorgeben: Eine konservative Partei, offen für alle, die auf dem Boden des Grundgesetzes stehen. Eine Partei, der jede Form von Rassismus und Fremdenfeindlichkeit fremd ist.

 

Ein Trugbild. Im Mitte Juni erschienenen Verfassungsschutzbericht des Landes NRW 2012 werden Pro NRW und Pro Köln weiterhin als rechtsextremistisch eingestuft: »Bestimmte ethnische und religiöse Gruppen, insbesondere Muslime, werden als unerwünschte, nicht integrierbare Menschen zweiter Klasse dargestellt. Mit dieser Art der Darstellung schüren ›pro Köln e.V.‹ und ›pro NRW‹ Ablehnung und Angst in der Bevölkerung. Wenn sich ›pro Köln e.V.‹ und ›pro NRW‹ immer wieder geradezu demonstrativ zum Grundgesetz bekennen und sich gegen jede Form von Extremismus verwahren, wirkt dies taktisch motiviert.«

 

Rein taktisch war auch die Ankündigung von Pro Köln, in diesem Jahr an der CSD-Parade (7. Juli, 12 Uhr) teilnehmen zu wollen. Die Gruppierung hat zu fast allen Themen ein instrumentelles Verhältnis: Ob die Teilnahme am CSD oder das Präsentieren von Mohammed-Karikaturen gegen den Willen des dänischen Zeichners Kurt Westergaard, der sich von Pro NRW distanzierte — den Pro-Anhängern und ihren Führern geht es immer nur darum, in die Schlagzeilen zu kommen. Eine Taktik, die der Partei bei der NRW-Landtagswahl 2012 den Sprung über die Ein-Prozent-Hürde bescherte und ihr die Teilnahme an der öffentlichen Parteienfinanzierung sicherte.

 

Auch beim CSD ging diese Taktik auf. Inzwischen hat die rechtsextreme Kleinstpartei ihre Anmeldung zwar wieder zurückgezogen. Der Veranstalter des CSD, der Kölner Lesben- und Schwulentag e.V. (KluST), wollte diesen »generösen« Rückzug nicht so stehen lassen und sagte die Parade ab, um sie kurz darauf unter neuem Motto wieder anzumelden: »CSD-Parade für Vielfalt«. Das ändert aber nichts daran, dass allein die Ankündigung von Pro Köln, bei der Parade mitzulaufen, die Partei bundesweit in die Schlagzeilen brachte. Rechtsextreme auf Deutschlands größter CSD-Parade, jener Demonstration, mit der Schwule und Lesben an die Straßenschlachten in New York 1969 erinnern, mit denen die Emanzipation der Homosexuellen begann? Die reine Provokation sorgte dafür, dass die sonst üblichen Geschichten über die Pro-Bewegung, in denen es häufig um Strafverfahren von Mitgliedern und finanzielle Unregelmäßigkeiten geht, kurz in Vergessenheit gerieten. Dass das Medienecho nicht zu ihren Gunsten ausfiel, stört die Rechten nicht.

 

Sie haben ihren Spaß an der Verwirrung, die sie stiften. Dass der CSD-Veranstalter sich mit der Frage des Umgangs mit den Rechtsauslegern beschäftigen musste und über den Umgang mit ihnen stritt, war schon ein Erfolg. KLuST beschloss Anfang Juni, Pro NRW die Teilnahme am CSD zu untersagen. Hätte Pro Köln dagegen geklagt, wäre das Verbot vermutlich gekippt worden. An Demonstrationen darf jeder teilnehmen. KLuST hätte allerdings bestimmen dürfen, wo die Rechten laufen dürfen — zum Beispiel am Ende des Zuges, gemeinsam mit dem Besenwagen. Wer sich eine Pro-NRW-Demonstration und ihre Teilnehmer einmal angeschaut hat, ahnt, welche Zumutung das für die Mitarbeiter der Stadtreinigung gewesen wäre.

 

Einen Alternativvorschlag über den Umgang mit den braunen Kerlen machte der Journalist Johannes J. Arens. Er sprach sich dafür aus, die Rechten beim CSD mitlaufen zu lassen und dafür zu sorgen, dass sie diesen Tag nie vergessen werden: »Feiern wir also unsere Liebe! Stürmen wir auf sie zu, befummeln, betatschen und begrapschen wir sie. Machen wir von der Tatsache Gebrauch, dass beim CSD unsere Hemmschwelle nach drei Kölsch ohnehin im Rinnstein landet — herzen und knutschen wir sie, gehen wir ihnen unters Hemd und in die Bluse und wenn es sein muss auch an die Hose! Let there be love und let there be pictures in Facebook! Ein regenbogenfarbiger Candystorm ist das letzte, was man als rechter Politiker oder Politikerin brauchen kann.«

 

Dazu wird es nun nicht mehr kommen. Pro Köln-Fraktionsgeschäftsführer Markus Wiener teilt mit, die Partei habe ihr Ziel erreicht und eine Diskussion in Gang gesetzt. Nun verzichte man darauf, beim CSD mitzulaufen und »mit dem Kopf durch die Wand« zu gehen. Vielleicht haben Beisichts Buben aber auch einfach nur Angst bekommen, in den Armen von muskelbepackten Rockern oder einer zwei Meter großen Drag Queen fotografiert zu werden.

 

Vom 22.6 bis 7.7. gibt’s Konzerte, Lesungen, Ausstellungen und Partys; die CSD-Parade findet am 7.7. statt. Mehr im Tageskalender und auf csd-cologne.de