Hans-Christoph Zimmermann schreibt über Theater und Kulturpolitik. Die Bestuhlung der Akademie empfindet er als ergonomische Zumutung.

Gut gemeint reicht nicht

Die Akademie der Künste der Welt muss zur ­Inspektion

War es ein Warnschuss? Oder nur ein Manöver? Vor einem Monat ist Galit Eilat, die Präsidentin der Akademie der Künste der Welt, zurückgetreten. Nach gerade einmal neun Monaten im Amt. Ihre Kritik entzündete sich an der Organisationsstruktur der Akademie, die den Mitgliedern angeblich zu wenig Ent­faltungsmöglichkeit lasse. Entschlüsselt lautet die Klage: General­sekretärin Sigrid Gareis trifft zu viele Entscheidungen eigenmächtig und beraumt Veranstaltungen an, ohne sie mit den Mitgliedern abgestimmt zu haben. Zu hören war aber auch, die Mitglieder hätten gar keine Vorschläge gemacht. Nun, nach der Mitgliederversammlung im Juni, an der auch Kulturpolitiker und Oberbürgermeister Jürgen Roters teilnahmen, kam überraschend der Rollback: Galit Eilat kehrt in ihr Amt zurück und Sigrid Gareis scheidet Ende des Jahres aus. Man habe die Probleme erkannt, so hieß es auf einer Pressekonferenz, und sei auf dem besten Weg, sie zu lösen. Gareis und Eilat posierten sogar lächelnd für die Kameras. Wer’s glaubt. Dass es zwischen den beiden knirschte, lässt sich kaum bestreiten. Und wenn die Generalsekretärin wieder stärker inhaltlich arbeiten möchte, wie sie sagte, warum hat sie dann nicht gleich ihren Rücktritt angekündigt? Und inwieweit hat die Politik Gareis‘ Ausscheiden mit erzwungen? Klagen über die Generalsekretärin gab es durchaus.

 

Die Probleme reichen allerdings  tiefer, und es sind Zweifel angebracht, ob die vorgestellten Lösungsideen etwas bewirken. Da war von der Aufnahme der Mitglieder in den Gesellschaftervertrag die Rede. Oder von deren stärkeren Engagement in Köln sowie dem Anzapfen ihrer künstlerischen Netzwerke. Sigrid Gareis plädierte für die Installation eines geschäftsführenden Direktors (»Businessmanager«) anstelle einer Generalsekretärin. Alles gut gemeint, aber eher unrealistisch.

 

1. Man kommt um eine profilierte, intellektuell und kuratorisch beschlagene Persönlichkeit in Köln nicht herum. Wie auch immer ihre Stellenbeschreibung lautet, sie muss auf Augenhöhe mit den Mitgliedern, mit den Kultur­institutionen, mit denen man Projekte realisiert, und mit Politik und Verwaltung kommunizieren können. Da reicht ein Geschäftsführer kaum aus, oder, falls kunstaffin und mehr, handelt man sich das alte Problem wieder ein.

 

2. Lectures im Mediapark oder die Idee der Akademie als Thinktank sind zwar schön, aber Beiwerk. Die Akademie als Label muss in der Stadt erheblich an Sichtbarkeit zulegen, sonst wird die Politik in absehbarer Zeit ungeduldig. Gibt es die angekündigten Projekte oder ist alles nur eine Frage der Werbung?

 

3. Auch die Mitglieder müssen als Künstler mehr Profil gewinnen: Madhusree Dutta hat gerade ihr Buch über die Filmstadt Bombay in Köln vorgestellt. Wo war die von ihr kuratierte Filmreihe? Faustin Linyekula gastierte mit einer Choreographie beim Tanzkongress in Düsseldorf. Warum nicht auch in Köln?

 

4. Die Akademie ist personell dramatisch unterbesetzt und muss dringend aufgestockt werden.

 

5. Die Räume im Mediapark sind zu klein.

 

Es wird Zeit, dass die Kulturverwaltung die Sache in die Hand nimmt. Frau Laugwitz-Aulbach, bitte umgehend melden!