Stürmische Zeiten
125 Jahre Stadtmuseum — eigentlich müssten jetzt Fanfaren schmettern. Bis 2009 sah es noch so aus, als ob zum großen Jahrestag nicht nur die Sanierung, sondern auch der Erweiterungsbau fertig sein würde. Doch dann warf das Stifterehepaar Stock, das den Anbau als Schenkung an die Stadt bezahlen wollte, entnervt das Handtuch. 2010 gab die Heizungsanlage den Geist auf. Anstatt nun zügig Sanierung und Neubau zu planen, dauerte es vom November 2011 bis zum April 2013, bis aus einem Ratsbeschluss eine öffentliche Ausschreibung wurde — die dann Oberbürgermeister Jürgen Roters beanstandete. Direktor Mario Kramp platzte der Kragen und er rügte zu Recht den selbstverliebten Schlendrian der Stadt.
Das Stadtmuseum verfügt sicher nicht über den größten Opferstatus unter den Sanierungsfällen, aber auf 18 Mio. Euro beläuft sich die Gesamtbaumaßnahme schon. Neben grundlegenden Installationsarbeiten, der Neugestaltung des Verbindungsbaus zwischen Zeughaus und Alter Wache und dem Erweiterungsbau geht es vor allem um die Öffnung des Hauses zur Stadt, d.h. zum Appellhofplatz hin. Baubeginn könnte 2014 sein, das Jubiläum führt also direkt in die Schließung, die bis 2019 dauern soll. OB Roters hat beim traditionellen »Herrenessen« im Stadtmuseum zwar eine frühere Wiedereröffnung versprochen — war wahrscheinlich aber ein Scherz unter Männern, der sicher für viel Heiterkeit gesorgt hat.
Das Stadtmuseum geriet zuletzt, zusammen mit weiteren Museen, auch durch ein Gutachten von Boston Consulting in die Defensive. Die Beratungsfirma, die mit geheuchelter Großmut kostenlos Vorschläge für die Neuorganisation der Museumslandschaft erarbeitet hat, schlug vor, die kleineren Kölner Ausstellungshäuser in einer gemeinsamen Servicegesellschaft zusammenzufassen. Keiner der Museumsdirektoren war davon begeistert.
Mario Kramp sieht sich inzwischen auch selbst der Kritik ausgesetzt. Der Direktor ist seit vier Jahren im Amt, seitdem wartet die Stadt auf ein neues Ausstellungskonzept. Das alte stammt immerhin aus dem Jahr 1984. Wer allerdings selbst nicht in die Offensive geht, darf sich über Gegenwind nicht wundern: Im Zusammenhang mit dem Projekt Archäologische Zone/Jüdisches Museum machte der Journalist und Stadthistoriker Martin Stankowski den bedenkenswerten Vorschlag, das Stadtmuseum ans Rathaus zu verlagern. Keine ruhigen Zeiten für ein Jubiläum.