Radelt für mehr Aufmerksamkeit: Thomas Kehr, Foto: Manfred Wegener

Wenn plötzlich alles anders ist

Im September findet die »Tour de Tonka« statt.

Die Fahrradfahrt hat ein An­liegen: Sie soll über Schlaganfall informieren

Das Leben von Thomas Kehr hat sich vor zwei Jahren von einem Moment zum nächsten völlig geändert. Am 24. Oktober 2011 starb seine Lebensgefährtin Natascha »Tonka« Hülsey völlig unerwartet an einem Schlaganfall. Sie war 48 Jahre alt. »Bis zu diesem tragischen Moment hab auch ich geglaubt, Schlaganfall sei ein Thema, von dem nur alte Menschen betroffen seien«, erzählt Kehr. »Aber wenn man so etwas erlebt hat, denkt man plötzlich ganz anders.«

 

Kehr ist Inhaber des Fahrradkurierdienstes Rapido im Belgischen Viertel, mit dem auch der StadtRevue Verlag seit vielen Jahren zusammenarbeitet. Im September will der 56-Jährige mit der »Tour de Tonka« nicht nur das Gedenken an seine Lebensgefährtin wachhalten, sondern auch die Aufmerksamkeit auf das Thema Schlaganfall lenken. Da er leidenschaftlicher Fahrradfahrer ist, bietet es sich an, das in Form einer Radtour zu tun. »Ich bin diese Tour früher oft mit Tonka und Freunden gefahren«, sagt Kehr. »Daher liegt es nahe — auch, weil Tonka zwölf Jahre als Radkurierin gearbeitet hat.« Man lernt die Stadt jenseits der Hauptstraßen kennen, die Strecke führt fast ausschließlich durch die Natur. »Und das soll man genießen, wir wollen kein Rennen fahren und halten uns an die Verkehrsordnung.«

 

Die Tour startet an der Clarenbachstraße, Ecke Universitätsstraße. Zwanzig Kilometer geht es dann durch Köln, nach anderthalb bis zwei Stunden endet die Strecke am Blücherpark. Dort gibt es ein kleines Fest mit Musik und Unterhaltung. »Natürlich gibt es dort auch Ansprechpartner und Infos, um sich dort weiter über Schlaganfall und Prophylaxe zu informieren«, sagt Kehr. »Aber wir wollen das niemandem aufdrängen.« Trotzdem würde er sich freuen, wenn das Thema aufgegriffen würde.

 

Für nächstes Jahr will sich Thomas Kehr mit den Folgen für die Hinterbliebenen auseinandersetzen. Er selbst hat zwei Kinder, die ihre Mutter verloren haben. »Wenn ein Elternteil stirbt, ist es wichtig,  fachliche Unterstützung anzunehmen. Deshalb bin ich froh, dass ich den Verein »Kunststück Familie« als Kooperationspartner habe«, so Kehr. »Die bieten spezielle Programme an, um mit solch einem Verlust umzugehen.«

 

Die Tour de Tonka soll ab jetzt auf jeden Fall jährlich ausgerichtet werden. »Ich suche allerdings noch einen festen Termin« sagt Kehr und fügt noch an: »Am besten einen, von dem ich wüsste, dass garantiert  ideales Fahrradwetter herrscht, damit wir möglichst viele Menschen erreichen.«