Melanie Weidemüller leitet das Kunstressort der StadtRevue, schreibt seit 13 Jahren über Kulturpolitik und würde den städtischen Kulturausschuss für den Deutschen Comedy-Preis nominieren.

Mehr Mut und etwas Kurt!

Melanie Weidemüller über ihre Erwartungen an Kölns neue Kulturdezernentin Susanne Laugwitz-Aulbach

 

Ihre erste Niederlage hat Susanne Laugwitz-Aulbach schon hinter sich. Diese Sicht ist selbstverständlich unfair, denn Kölns neue Kulturdezernentin war offiziell noch gar nicht im Amt, als der Rat am 18. Juli mal wieder eine Rolle rückwärts aufführte. Er beschloss, dass die Kunst- und Museumsbibliothek (KMB) nun doch nicht im Archiv-Neubau Platz finden wird. Dabei scherte es SPD und Grüne wenig, dass vor den Türen des Stadtparlaments protestiert wurde, dass das Who’s Who der internationalen Kunstwelt eine Petition unterzeichnet hatte, auch nicht, dass sich die designierte Dezernentin in ersten Interviews — zurückhaltend, aber hörbar — für die Integration in den Neubau ausgesprochen hatte.

 

Willkommen in Köln, könnte man unken, der Stadt der notorischen Selbstverhinderung und versenkten Archive. Wird sich die neue Chefin der Kulturverwaltung, die zum September Georg Quanders Nachfolge antritt, hier behaupten können? Die 52-Jährige ist seit über zwanzig Jahren in städtischen Ämtern tätig und überzeugte als »Verwaltungsexpertin«. Das klingt nach Pragmatismus, so sind wohl die Zeiten. Sinnvoll eingesetzt könnte diese Kompetenz der Kultur Respekt verschaffen. Mit einigen in Köln anstehenden Aufgaben ist die bisherige Direktorin des Stuttgarter Kulturamts vertraut, u.a. gehörten die dortige neue Stadtbibliothek und das Stadtarchiv in ihren Zuständigkeitsbereich. Allerdings steht sie jetzt nicht mehr in zweiter, sondern in erster Reihe — vor einem Haufen Arbeit.

 

Neben der Einarbeitung in die Großbaustellen Archivneubau, Archäologische Zone und Jüdisches Museum, Wallraf-Anbau, Stadtmuseum und Bühnensanierung gilt es, das Dezernat überhaupt erst wieder arbeitsfähig zu machen. Die seit Monaten verwaiste Kulturamtsleitung ist ausgeschrieben, gemeinsam sind weitere Felder zu beackern: die chronisch unterfinanzierte »Freie Szene«, eine »Akademie der Künste der Welt« in der Selbstfindungsphase, die vernachlässigte Tanzsparte... Bekanntlich verlangen lange To-do-Listen klare Ziele. Da klingt es sinnvoll, dass Laugwitz-Aulbach den Kölner Kulturentwicklungsplan mit einem gesellschaftspolitischen Ansatz überarbeiten will — wenn der nicht in der Schublade landet.

 

Auch für die neue Dezernentin gilt: Verwaltung kann nur so gut sein wie die Vorgaben der Politik. Das Beispiel KMB zeigt, womit sie rechnen muss: Beratungsresistenz, Amnesie und ständige Volten. Und wenn man einfach mal wünschen dürfte? Dann wäre Laugwitz-Aulbach ein Verwaltungsprofi mit einem Schuss Kurt Hackenberg: eine starke Dezernentin, die Impulse setzt, sich auch mal mutig vor die Kultur stellt und die Politik daran erinnert, Wort zu halten. Aber vermutlich sind das schon Träume.