Ihr Haus sollte der Nord-Süd-Stadtbahn weichen: Gundula Jaskowsky, Foto: Manfred Wegener

»Wehrt euch!«

Wie die Hebamme Gundula Jaskowsky ihr Haus an der Bonner Straße vor dem Abriss gerettet hat

Frau Jaskowsky, stimmt etwas nicht mit Ihrem Haus? Es war jahrelang vom Abriss bedroht.

 

Dieses Haus ist mein kleines Paradies — und meine Existenz. Ich wohne ja nicht nur hier, sondern habe im Erdgeschoss auch meine Praxis. Kurz vor Karneval 2010 bekam ich aber einen Brief von der Stadt Köln. Darin stand, dass die Stadt mein Haus kaufen will, um es abzureißen und Platz zu schaffen für eine U-Turn-Spur. Das sehe der Plan für die 3. Baustufe der Nord-Süd-Stadtbahn so vor. Insgesamt sollte es zehn Häuser treffen. Ich war natürlich völlig außer mir und habe sofort bei der Stadt angerufen, aber wegen Karneval war dort eine Woche lange niemand zu erreichen. Das war aber nur der erste Vorgeschmack für die Art und Weise, wie diese Stadt mit Menschen wie mir umgeht.

 

Gerd Neweling vom Amt für Brücken und Stadtbahnbau verkündete, die Planung sei ohne Alternative.

 

So sagte es mir auch der persönliche Referent des Oberbürgermeisters, den ich im vergangenen Jahr gesprochen habe, zusammen mit anderen Herren von der Stadt. Das müsse man so machen, ansonsten würde ich zwangsenteignet, das ginge ganz schnell. Ich war verzweifelt und habe mich bedroht gefühlt. Aber ich habe den Herren auch gesagt: Es gibt nur zwei Dinge, die alternativlos sind. Die Geburt und der Tod. Für alles andere gibt es Alternativen.

 

Sie haben dann auch Alternativvorschläge gemacht.

 

Ich hatte den Eindruck, die wissen einfach nicht, wie es geht. Warum zum Beispiel kann man den Wendehammer nicht dorthin verlagern, wo die Häuser nicht so nahe an der Straße stehen? Daraufhin hieß es erst, das sei nicht möglich — er müsse genau an dieser Stelle sein, eine Verordnung sehe das nach einer bestimmten Anzahl von Metern so vor. Ich habe aber mit Hilfe von Freunden recherchiert, dass es so eine Verordnung überhaupt nicht gibt. Das war also eine glatte Falschaussage. Und dann war da noch mein Vorschlag, einen Kreisverkehr einzurichten. Auch da hieß es gleich: Unmöglich, weil in der Mitte die Bahn fährt. Aber wieso soll das nicht gehen? Am Chlodwigplatz und am Eifelplatz klappt es doch auch. Meine Ideen habe ich auch als Sparvorschlag in den Bürgerhaushalt eingebracht, dort haben sie viel Unterstützung erfahren.

 

Vor einigen Wochen kam die gute Nachricht: Der Abriss kommt doch nicht. Wie erklären Sie sich diese Wende?

 

Ich vermute mal, dass die Stadt die Zwangsenteignung juristisch nicht hätte durchsetzen können. Aber es zeigt auch: Unsere Proteste haben sich gelohnt! Meine Botschaft an die Bürger ist: Wehrt euch! Man sollte ruhig auch mit dem Finger auf die Verantwortlichen zeigen. Ein Opfer hat diese Geschichte dennoch gefordert. Mein Nachbar aus dem Haus gegenüber ist kürzlich gestorben, und zwar in der Sorge, dass seine Frau und die Kinder ihr Zuhause verlieren werden.