Neue Musik aus dem Netz
Emil Klotzsch — 4 (Camomille)
Emil Klotzsch aus Köln ist Netzmusiker der ersten Stunde: Im Januar 2005 veröffentlichte er sein Debütalbum auf dem US-amerikanischen Netlabel One. Mit »4« legt er nun sein mittlerweile siebtes Album vor, erschienen beim Camomille Netlabel aus Montreal, Kanada.
Nach seinem berührenden — und mutigen! — Album »Deutsche Lieder«, auf dem er unter anderem Goethes Gedicht »Köng von Thule« vertonte, folgt mit »4« eine Veröffentlichung, die sich irgendwo zwischen Neoklassik und experimenteller elektronischer Musik verorten lässt. Erinnerungen an Max Richter und den frühen Pole werden wach. Hört man sich das Album — und das sollte man — über Kopfhörer an, so lassen einen die geloopten Piano-Tupfer und dubbige Feedback-Schleifen in sanfter Melancholie zunächst wohlig dahindösen, bis man plötzlich und sehr unerwartet von kreischenden Filtersounds aus einem Traum mit schönen Bildern gerissen wird.
Emil, professioneller Sounddesigner und Filmtongestalter, setzt sich gerne selbst Grenzen. Das fördere die Kreativität, sagt er. Und so hat er dieses Album lediglich mit einem Tenori-On (ein vor einiger Zeit mit viel Tamtam eingeführter visueller Sequenzer), zwei Filterboxen und einem Mixer produziert. Mit seiner »Nischenmusik« fühlt er sich außerhalb des traditionellen Musikbusiness bestens aufgehoben. Von seiner Musik würden bei einem traditionellen Label bestenfalls hundert CDs und eine handvoll Downloads verkauft, sagt er, und konstatiert, dass er beim richtigen Netlabel eine wesentlich höhere Aufmerksamkeit und Verbreitung für seine Musik erreicht. Die gibt es zum freien Download unter CC-Lizenzen im Netz — gespendet werden darf selbst- verständlich.
Video-Interview:
Emils Websites:
Gahzed — Monster In Me (iD.EOLOGY)
Gahzed ist ein Duo, das aus dem von uns geschätzten Indietronic-Projekt Monomatik hervorgegangen ist. Stilistisch eine kleine Kehrtwende, dominiert doch jetzt statt kühler Elektronik eine rotzig eingespielte E-Gitarre das Klangbild. Die Drums könnten herrlich schluderig eingespielt oder mühevoll programmiert sein. Egal — es rumpelt ordentlich. Dazu noch ein stets gedoppelter Gesang, der so wohl kalkuliert leicht neben der Spur ist, dass es The Fall zu allen Ehren gereicht. Lässiger Indie-Pop.
Von Korf — Niemand ist (Bandcamp)
Die Band veröffentlicht schon seit Jahren unter CC-Lizenz, offenbar Überzeugungstäter. Ihren Stil beschreiben sie selbst mit »Krautrock und digitale Protestlieder«, das ist treffend. Titel wie »Marktversagen«, »Halber Mensch« oder »Ist das alles?« mahnende Texte mit viel Sozialkritik, kommen ohne erhobenen sozialpädagogischen Zeigefinger aus. Die Band spielt reduziert und ohne Effekthascherei. Gerne auch mal für ein paar Stücke instrumental. Ein gelungenes Update für ein vergessenes Genre: Deutschrock 2.0.