Silberhochzeit in Ehrenfeld

Das Allerweltshaus feiert im Oktober 25-jähriges Jubiläum

 

In der Hausnummer 77 ist ein echter Pionier der Körnerstraße beheimatet. Während drum herum der Pferdemetzger, türkische Gemüseläden oder der Friseursalon »Figaro vum Ihrefeld« schließen mussten, um Krimskramsläden und Designern Platz zu machen, ist das Allerweltshaus immer noch da. Und das ist gut so.

 

Dieser Tage wird der selbstorganisierte Verein 25 Jahre alt. Gegründet wurde das Allerweltshaus aus einer Privatinitiative heraus von Menschen aus dem linken Spektrum, die vor dem Hintergrund der großen rassistischen Stimmungswelle Ende der 80er Jahre in Ehrenfeld ein unabhängiges Begegnungszentrum ohne  Hierarchien schaffen wollten. Ziel war, Menschen unterschiedlicher Kulturen und Hintergründe einen Raum zu bieten, an dem sie von-einander lernen und sich austauschen können. Und Einfluss nehmen: »Wir wollten und wollen einen Beitrag zur politischen Themen-bildung der Stadt leisten«, sagt Christian Nehls.

 

Nehls, Koordinator für bildungspolitische Entwicklung im Haus, sieht das Haus damals wie heute als Teil einer kritischen, internationalen Szene. »Unsere Nutzergruppe ist sehr heterogen«, so Nehls. Aktuell nutzen rund 25 Gruppen die Räume. Projekte wie die Radiogruppe »alleweltonair«, die Literaturreihe »Stimmen Afrikas«, die monatlich junge AutorInnen aus Afrika vorstellt, oder der Tardes de Cine Club, der lateinamerikanische Filme im Original zeigt, stehen neben Angeboten wie Hausaufgabenhilfe oder Arbeits-losen- und Schuldnerberatung.

 

Die Projekte richten sich häufig nach der aktuellen politischen Themenlage. »Als in den Nullerjahren bundesweit Integrations- und Sprachkurse geschaffen wurden, haben wir uns natürlich auch daran beteiligt«, erläutert Sophie Hennis, Vorstandsvorsitzende und Gründungsmitglied. Wichtiges Thema derzeit ist die Lage in Syrien, die unter anderem in der Projektreihe »Erinnern und Handeln für die Menschenrechte« diskutiert wird. Beim Thema Ökologie geht der Blick aktuell auch nach innen: Seit 2012 gibt es das Projekt »Nachhaltigkeitsdetektive«, im Rahmen dessen das Haus auf seine ökologische Nachhaltigkeit hin überprüft wird. 

 

Die Achillesferse eines selbstorganisierten Projekts wie dem Allerweltshaus ist die prekäre finanzielle Situation: Immer wieder war das hauptsächlich durch Mitgliedsbeiträge und Spenden finanzierte Haus von Insolvenz bedroht, konnte sich aber durch Fundraising mittlerweile stabilisieren. Trotzdem sind die Zukunftsvorstellungen nach wie vor eher pragmatisch: »Wichtig ist, dass wir den Betrieb aufrechterhalten und unsere nicht kommerziellen Räume verteidigen, um unabhängig zu bleiben«, so Hennis.