Zu schmal für eine Stadtbahn: Deutz-Mülheimer Straße | Foto: Manfred Wegener

Grüne Schneisen schlagen

Im Süden von Mülheim entsteht ein neues Stadtquartier – die Bürger sollen von Anfang an mitplanen dürfen

Mehr Bürgerbeteiligung wagen, mit diesem Anspruch war Franz-Josef Höing als Bau- und Planungsdezernent der Stadt vor einem Jahr angetreten. Am jetzt angelaufenen Werkstattverfahren für den Mülheimer Süden samt Hafen wird er sich messen lassen müssen.

 

Das Planungsgebiet zwischen Rhein, Mülheimer Brücke und Deutz-Mülheimer Straße endet im Norden kurz vor der Zoobrücke. Rund 70 Hektar mit überwiegend brachgefallenen Industriebauten sollen in ein neues Quartier aus Wohnungen, kleinerem Gewerbe und Grünflächen verwandelt werden. Ganz neu sind diese Ideen nicht. Ähnliche Ziele wurden bereits 2008 in einem »Rechtsrheinischen Entwicklungskonzept« formuliert. Das aber liegt seit 2008 ebenso brach wie der Mülheimer Süden seit dem Strukturwandel. Das soll sich jetzt innerhalb weniger Jahre ändern.

 

Alles ist nicht möglich in dem Werkstattverfahren mit Bürgern, Grundstückeigentümern und zwei Planungsbüros. »Nur grün, das geht nicht«, so Höing. Die ehemaligen Industrieflächen sind kontaminiert und es gilt, ebenso den Hochwasserschutz wie den Lärmschutz zu berücksichtigen. Er sehe allerdings die Möglichkeit, »ein Netz öffentlicher Räume zu schaffen« — und zudem durch Verdichtung die Wohnungsnot zu lindern.

 

Schlechte Ideen gibt es auch schon: Eines der beteiligten Planungs­büros schlägt eine Schwebebahn auf der Deutz-Mülheimer Straße vor. Bereits im Rahmen der »Rechts­rheinischen Perspektiven«, einem Ideenworkshop, kam diese Idee für das Rheinufer auf. Man kann das aber getrost als marktschreierisches Planer-Gimmick abtun. Tatsächlich muss es aber eine Anbindung mit öffentlichen Verkehrsmitteln für das neue Quartier geben. Für eine Stadtbahn ist die Deutz-Mülheimer Straße jedoch zu eng. Höing denkt an ein »intelligentes Bus-System, jedenfalls nicht nur ein Bus, der alle halbe Stunde die Straße runterfährt«.

 

Erste Ergebnisse sollen bis Mitte nächsten Jahres vorliegen. Auf dem Euroforum Nord, wo sich unter anderem Kunstwerk und Gebäude 9 befinden, sollen 2014 schon Wohnungen entstehen, ein Bebauungsplan liegt vor. Auf den anderen Arealen müssen jetzt die Interessen von Eigentümern und  Bürgern abgestimmt werden. Die Atmosphäre sei bis jetzt sehr konstruktiv, sagt Höing.

 

Der Dezernent wird aber auch wissen, dass in Mülheim viele Menschen noch misstrauischer sind als anderswo in der Stadt. Das  Strukturförderprogramm »Mülheim 2020« steht in der Kritik, weil nicht alle Fördergelder von der Stadt abgerufen wurden. Immerhin: Beim Beteiligungsverfahren zum Ehrenfelder Helios-Gelände, dessen Schlussphase Höing noch übernahm, sind jetzt Pläne entstanden, die nicht nur Stadt und Investoren zufriedenstellen, sondern auch die Bürger. Das wäre auch für Mülheim wichtig.