Birgit Schierbaum, bei der ­Köln­Agenda zuständig für das Projekt »Köln spart CO2« | Foto: Manfred Wegener

»Wir sind alle Meister im Verdrängen«

Die Internetplattform »Köln spart CO2« soll ­Menschen zum Energiesparen motivieren

Frau Schierbaum, wozu brauchen wir eine Plattform wie »Köln spart CO2«?

 

Der Klimaschutz ist eine der größten Herausforderungen dieses Jahrhunderts. Wir wollen die Kölner Bürger ermuntern, CO2 zu sparen. Dazu stellen wir eine Internet-Plattform zur Verfügung, auf der die Menschen voneinander lernen, Vorschläge machen, sich gegenseitig motivieren können. Wir haben auch zahlreiche Kölner Prominente mit im Boot – von der ARD-Wetterexpertin Claudia Kleinert bis zum Kabarettisten Wilfried Schmickler –, die zeigen, wie sie persönlich CO2 sparen.

 

Das Problem beim CO2-Sparen ist aber doch nicht, dass die Menschen nicht wissen, was sie machen können. Jeder weiß, was er machen müsste, aber kaum jemand macht es.

 

Klar, wir sind alle Meister im Verdrängen. Zu­­dem denken die meisten:  es nützt ja nichts, wenn ich nur noch einmal in der Woche Fleisch esse oder im Winter die Heizung ein Grad runterdrehe und stattdessen einen dicken Pulli anziehe – ich alleine kann da eh nicht viel ändern. Wir wollen die vielen kleinen Beiträge zusammen­bringen und zeigen, dass in der Summe eben doch einiges dabei herauskommt.

 

»Dein Beitrag zählt«, heißt es auf der Homepage. Das stimmt ja nur bedingt, denn durch Privatpersonen ist die Einsparung von 80 Prozent CO2 bis 2050, der sich auch die Stadt Köln verschrieben hat, nicht zu erreichen.

 

Da müssen politische Entscheidungen her. Wir nehmen nicht die Politik und die Unternehmen aus der ­Verantwortung, wir wollen einen zusätzlichen Beitrag leisten. Es geht darum, Denkanstöße zu geben und aufzuzeigen, was es für Möglichkeiten gibt.

 

Dabei laufen Sie aber Gefahr, als Feigenblatt für ein Unternehmen wie Rheinenergie herzuhalten, das als Kooperationspartner sein Image aufpoliert, aber ansonsten massiv auf fossile Energie setzt.

 

Die Rheinenergie hat uns bei dem Projekt stark unterstützt. Es ist nicht meine Aufgabe, die Rheinenergie in Schutz zu nehmen, aber ich finde gut, dass auch solche Akteure sich im Bereich CO2-Sparen engagieren.

 

Zurück zum Verbraucher: Selbst wenn jemand all die Vorschläge zum Energiesparen beherzigt – beim nächsten Flug in den Urlaub ist das alles in der Bilanz wieder Makulatur.

 

Da kann man ja versuchen zu vermitteln, dass es auch schöne Ziele in der Nähe gibt, für die man nicht fliegen muss. Aber es wird auch weiterhin Leute geben, die auf das Fliegen nicht verzichten wollen und können. In dem Fall können sie eine Ausgleichszahlung als Kompensation leisten. Auf unserer Website gibt es entsprechende Angebote. Aber die einzig umweltverträgliche Alternative ist natürlich, gar nicht zu fliegen.