Foto: Manfred Wegener

Bürokratisches Mysterium

Wie eine Kölnerin, ohne es zu wissen, zur Katholikin wurde

 

Man mag es kaum glauben. Wer nie Mitglied der katholischen Kirche war, ist es vielleicht doch. Das hat vor einigen Monaten Kim Löchel persönlich erfahren. Die 26-jährige Lehramtsstudentin aus der Südstadt, die als studentische Hilfskraft an der Universität Köln arbeitet, bemerkte, dass sie auf ihrer Gehaltsüberweisung als römisch-katholisch geführt wurde. Löchel, die nie mit Taufwasser in Berührung gekommen ist und sich selbst als »Nicht-Gläubige« bezeichnet, galt plötzlich als Anhängerin einer kontrovers diskutierten Weltreligion, ohne es geahnt zu haben. 

 

Hilfe versprach sie sich in ihrer Not von der zuständigen Finanzbehörde. Doch dort hieß es bloß, die entsprechenden Datenbanken würden von den Städten und Gemeinden gepflegt. Man empfahl ihr, »sich diesbezüglich mit der Stadt Köln in Verbindung zu setzen.« Doch das zuständige Bezirks-amt Innenstadt wusste auch nicht weiter. Sie möge sich an die Pfarrgemeinde ihres Wohnortes wenden. 

 

Der Nicht-Gläubigen konnte scheinbar nur noch die Kirche helfen. Dort solle sie sich einen »Gegennachweis« aushändigen lassen, einen Beleg, dass sie nicht getauft sei. Also pilgerte die Nicht-Gläubige zu Sankt Severin in der Südstadt.

 

»Die waren total nett da«, sagt Löchel. »Aber irgendwie auch überfordert mit meinem Fall«. Klerikale Cleverness: Löchel möge sich — diesmal wirklich — taufen lassen, und könne anschließend beim Amtsgericht ja wieder aus der Kirche austreten. Eine echt rheinisch-katholisch Lösung. Aber selbst ein paar Stunden als Katholikin sind für Nicht-Gläubige zu lang. Und zu teuer, einen Austritt lässt sich das Amtsgericht mit 30 Euro vergüten.

 

Langsam wurde die freundliche Nicht-Gläubige ärgerlich. In einem Schreiben an das zuständige Bezirksamt Innenstadt habe sie dann »einen etwas heftigeren Ton angeschlagen.« Mit Erfolg. Rechtzeitig zum Advent erreichte sie eine frohe Botschaft. »Die Daten wurden aufgrund der Bestätigung der Stadt Freiburg im Breisgau korrigiert«, heißt es in einer Bescheinigung. Freiburg? Die beschauliche Metropole ist ein Zentrum katholischen Glaubens, der dortige Erzbischof Robert Zollitsch sitzt der Deutschen Bischofskonferenz vor. Zufall?

 

 Löchels mysteriöse Mitgliedschaft erklärte sich dann doch ganz profan. »Ich habe mal in Freiburg gewohnt«, erklärt sie. »Dort habe ich auch meinen Personalausweis verlängert. Irgendwer muss dann ›römisch-katholisch‹ angeklickt haben, obwohl ich das nie beantragt habe«. 

 

Ebensowenig wie an Gott will Löchel an eine Verschwörung glauben. Obwohl sie Internet-Foren entdeckt hat, in denen Menschen von ähnlichen Erfahrungen berichten. Die kämpfen nun darum, die unwissentlich gezahlte Kirchensteuer erstattet zu bekommen. »Da habe ich natürlich auch gleich nachgeguckt«, sagt Löchel. Aber es gibt keine Rückzahlung. »Ich hab zu wenig verdient. Ich musste gar keine Kirchensteuer zahlen.«