»Gegendie Gleichgültigkeit«
Herr Bach, was will die Initiative mit ihrem Gesprächs- und Arbeitskreis zu dem NSU-Anschlag an der Keupstraße erreichen?
Die Opfer und ihre Angehörigen sollen nach dem Trauma des Anschlags — und der folgenden sieben Jahre der Verfolgung durch die deutschen Behörden — spüren, dass es eine Gegenbewegung gibt, die sie nicht ausschließt, sondern einschließt. Konkret heißt das, wenn der Anschlag auf der Keupstraße im NSU-Prozess verhandelt wird, wollen wir ein gemeinsames Zeichen setzen und zeigen, dass die Idee des Anschlags — die Isolierung der Opfer — nicht aufgeht.
Was haben Sie bisher unternommen?
Seit November 2011 gibt es Veranstaltungen aus dem Kreis unserer Initiative. Opfer und deren Angehörige sind oft dabei. Es gab Vorträge von Prozessbeobachtern und Rechtsanwälten, die Nebenkläger vertreten. Dazu haben wir Filme auf der Keupstraße gezeigt und auf Veranstaltungen dokumentiert, wie die Menschen traumatisiert wurden — auch vor dem Hintergrund, dass die Ermittlungsbehörden sofort einen rassistischen Hintergrund ausgeschlossen haben und die Opfer selbst kriminalisiert wurden.
Im Rahmen des NSU-Prozesses in München wird bald auch der Nagelbomben-Anschlag an der Keupstraße 2004 verhandelt.Was werden Sie tun?
Eine Gruppe unseres Arbeits- und Gesprächskreises fährt nach München und knüpft Kontakte zu dortigen Initiativen. Der Prozess zum Anschlag an der Keupstraße ist mit neun Verhandlungstagen angesetzt, das sind etwa drei Wochen. Wir wollen, möglichst die ganze Zeit im Saal und davor präsent sein, wir begleiten dort auch die Opfer und ihre Angehörigen. Fast zeitgleich, im Juni, jährt sich das Attentat zum zehnten Mal. Es soll hier in Mülheim von Arsch-Huh eine große Veranstaltung dazu geben, in einem angemessenen Rahmen auf einem großen Platz. Dabei sollte nicht über die Menschen der Keupstraße, sondern mit ihnen gesprochen werden. Es geht nicht alleine um eine Entschuldigung gegenüber der migrantischen Community, sondern darum, bewusst zu machen, was durch den Anschlag und durch den Rassismus danach angerichtet wurde.
Sie sagen: »Keupstraße ist überall«?...
Ja, denn der Anschlag und der darauf folgende Rassismus der Behörden hat in ganz Deutschland die Migranten aufgeschreckt. Die fragen sich, ob sie hier leben können, ob es richtig war, hier Kinder aufwachsen zu lassen. Es steht auch die Frage im Raum, ob sich rassistische Ausschreitungen wiederholen werden. Gegen die Gleichgültigkeit diesbezüglich wollen wir Position beziehen.
Wie kann man die Kampagne unterstützen?
Jeder, der bei den Gesprächen und Planungen teilnimmt, hilft schon, weil er Unterstützung signalisiert. Das gilt vor allem für diejenigen, die mit nach München fahren können. Nicht zuletzt ist für Veranstaltungen, Plakate, Fahrten und Übernachtungen finanzielle Unterstützung willkommen.
Der Arbeitskreis trifft sich das nächste Mal am Dienstag, 4.2. um 20 Uhr im Lokal Sabahci, Keupstr. 87 in Köln-Mülheim. Spenden für die Initiative können auf das Konto der VVN Köln, Konto 11 30 46 90 00, Santander Bank, BLZ 500 333 00, überwiesen werden. Kennwort »Keupstraßensolidarität«.