Hier könnte ihre Wohnung entstehen: Mülheim-Süd | Foto: Manfred Wegener

Keine Gags, kein Ärger

Die Planungen für Mülheim-Süd samt Hafengebiet stehen fest

Der Eklat ist ausgeblieben – und das ist heute selten, wenn die Kölner Stadtverwaltung die Bürger einlädt, bei der Umgestaltung ihres Veedels mitzureden. Insofern ist das Werkstattverfahren zur Umgestaltung des Gebiets zwischen Rhein, Deutz-Mülheimer Straße, Zoobrücke im Süden und der Danzierstraße kurz vor der Mülheimer Brücke  im Norden ein Erfolg. Die Vorschläge der beiden Planung­s­büros – Kister, Scheithauer, Gross aus Köln sowie Bolles und Wilson aus Münster – wurden im Oktober und November mit den Bürgern diskutiert und jetzt abschließend von einem »Beratungs- und Begleitgremium« bewertet. Ob es am Ende auch gelingt, das derzeit von Industriebrachen geprägte 70-Hektar-Areal zu einem lebendigen Stadtquartier umzuwandeln, lässt sich jetzt noch nicht absehen. Dafür müssten Grundstücksbesitzer, Bewohner und die Stadtverwaltung weiterhin an einem Strang ziehen. Die schrillsten Ideen – Häuser auf der Mauer am Auenweg oder eine Schwebebahn entlang der Deutz-Mülheimer Straße – werden nicht weiterverfolgt, was schon mal ein Indiz für solide Stadtplanung ist, die auf PR-Gags verzichtet.

 

Zwei Aufgaben standen vor allem an: Zum einen sollen die Industriebrachen zu Wohnungen umgebaut werden, auch solchen, die mit einem durchschnittlichen Einkommen bezahlbar sind, wie Planungsdezernent Franz-Josef Höing immer wieder beteuert. Zum anderen soll das Viertel durchlässiger werden: Mehrere Wege sollen als »grüner Kamm« zum Rheinufer führen, und ebenfalls mit einem Grünstreifen soll Alt-Mülheim mit dem Planungsgebiet verbunden werden. Dort, wo sich Auenweg und Deutz-Mülheimer Straße kreuzen, soll es eine »Mitte als räumlichen Schwerpunkt«, also einen zentralen Platz geben. Der Auenweg könnte auf mehr Verkehr ausgelegt werden, und auf der Deutz-Mülheimer Straße sollen später einmal Busse verkehren. Die Chancen, dass es eine Stadtbahnlinie geben könnte, stehen jedoch schlecht: Die Straße ist für ein eigenes Gleisbett zu ­schmal, nur durch neue Grundstücksankäufe könnte dies gelingen. Für eine einfache Straßenbahn hingegen stellt das Land NRW keine Fördermittel bereit. Wenn aber hier im Mülheimer Süden so viele Häuser entstehen sollen, dass die Wohnungsnot in Köln spürbar gelindert wird – dann brauchen diese Bewohner auch eine gute Verkehrsanbindung. In den Empfehlungen des Beratungs- und Begleitgremiums zum Werkstattverfahren heißt es dazu schlicht: »Verkehrsthemen sind weitergehend, vertieft zu untersuchen«.

 

Etwas Zeit bleibt freilich noch. Niemand in Politik und Verwaltung rechnet damit, dass hier in den nächsten drei Jahren bereits nach den neuen Plänen gebaut werden kann. Zunächst befasst sich der Rat der Stadt Köln am 11. Februar mit den Ergebnissen des Werkstattverfahrens.  

 


Die Ergebnisse des Werkstattverfahrens werden vom 3.–21.2. in einer Ausstellung im Kölner Rathaus, Lichthof des Spanischen Baus, gezeigt.

Ö: Mo, Mi, Do 8–16, Di bis 18, Fr bis 12, Eintritt frei.