Vorbild für Sülz: Szene vom Tag des guten Lebens in Ehrenfeld 2013 | Foto: Anna Mehlitz

Freiräume auf der Autobahn

Der »Tag des guten Lebens« wird größer. Dieses Jahr wird in Ehrenfeld und Sülz gefeiert

»Kulturelle Vielfalt, Subkultur, ­Kreativität, Selbstbestimmung«: Davide Brocchi, Soziologe und Initiator des »Tags des guten Lebens«, der im vergangenen September in Ehrenfeld begangen wurde, hat neue Pläne für den Herbst dieses Jahres. Ging es vergangenes Jahr um Mobilität, wollen Brocchi und die Initiative Agorà beim zweiten Tag des guten Lebens im Herbst das Thema Freiräume in den Blick nehmen. »Der urbane Raum wird immer mehr kommerzialisiert«, sagt Brocchi. »Wir wollen soziale und alternative Projekte vernetzen und ihnen ein Forum geben.«

 

Nach dem großen Erfolg des ersten »Tags des guten Lebens« in Ehrenfeld sollen diesmal auch in Sülz für einen Tag die Straßen den Menschen statt den Autos gehören. Am 3. Februar stimmt die Bezirksvertretung Lindenthal, die für Sülz zuständig ist, darüber ab. Dass der Antrag angenommen wird, gilt als sicher. Der Kontakt kam über den stellvertretenden Bezirksbürgermeister Roland Schüler zustande. Dessen Grünen-Fraktion steht ebenso hinter dem Projekt wie Bezirksbürgermeisterin Helga Blömer-Frerker (CDU), die seit vielen Jahren ein schwarz-grünes Bündnis anführt. Auch der Ortsverband der SPD äußerte sich bereits positiv.

 

Unklar ist neben dem Termin – die Initiative hat den 31. August vorgeschlagen – vor allem, wie groß in Sülz der Tag des guten Lebens gefeiert werden soll. Nach Plänen der Initiative Agóra soll der motorisierte Individualverkehr zwischen Universitätsstraße, Sülzgürtel, Zülpicher und Luxemburger Straße ruhen. Streitpunkt ist die Luxemburger Straße, denn auch die soll stadtauswärts autofrei sein. Die Fraktionen in der Bezirksvertretung sind sich nicht einig, ob sie das wollen. Für Brocchi ist die Sperrung der Luxemburger Straße nicht verhandelbar. »Das ist wie eine Autobahn mitten im Wohn­gebiet, mit extrem viel Verkehr«, sagt er. »Die Autos dürfen ja immer noch an 364 Tagen im Jahr die Stra­ße beherrschen.« Eine Entscheidung über die Größe des Gebiets wird im Februar wohl noch nicht fallen, wahrscheinlicher ist eine Festlegung in der Sitzung im April.

 

In Ehrenfeld werden derlei Auseinandersetzungen vermutlich ausbleiben. Auch, weil man den Tag des guten Lebens dieses Jahr hier kleiner halten möchte. Die Hauptveranstaltung finde in Sülz statt, so Florian Roll aus dem Agorá-Beirat. »In Ehrenfeld planen wir eher ein großes Nachbarschaftsfest, mit Fokus auf den Seitenstraßen.« Anders als 2013 sollen die Bewohner auch stärker an der Organisation im Vorfeld beteiligt werden. Die Agorá wolle den Prozess begleiten, sagt Roll, ausführen sollen ihn die Anwohner selbst.

 

Das diesjährige Thema »Freiräume« lässt sich jedenfalls in beiden Stadtteilen abbilden: In Sülz ist seit vergangenem September das Autonome Zentrum unmittelbarer Nachbar – und in Ehrenfeld diskutiert man derzeit über die Zukunft des Helios-Geländes und der ehemaligen Kolbhalle, in der sich Künstler seit Jahren einquartiert haben. »Das sind Themen, an wir beim Tag des guten Lebens gut andocken können«, so Brocchi.